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... Tad Stones über Disney, Darkwing Duck und Auftrittsmonologe

Tad Stones... Tad Stones ...
... über Disney, Darkwing Duck und Auftrittsmonologe

Darkwing Duck ist für mich ein besonderer Held. Er erschien in den Neunzigern eines Samstagnachmittags im Disney Club, der seinerzeit in der ARD lief. Vom ersten Moment an liebte ich den Verbrechensbekämpfer von St. Erpelsburg (wie ›sein Gotham‹ in der deutschen Version hieß). Mastermind hinter der Serie war Tad Stones, den ich dann auf Facebook kennenlernte. Wir vereinbarten ein mehrteiliges Interview. Hier der erste Teil ...


Tad StonesZauberspiegel: Du hast drei Jahrzehnte für Disney gearbeitet. Wie verlief deine Karriere - das heißt, welche Stationen umfasste deine Arbeit dort?
Tad Stones: Ich habe von Juni 1974 bis Januar 2003 für Disney gearbeitet, dazu noch einige Freelancer-Projekte danach. Ich begann mit einem Trainingsprogramm von 8 Wochen. Ich stieg ein paar Monate nach Ron Clements und einige Monate vor Glen Keane ein. Ich wurde danach ein Inbetweener (Anmerkung Zauberspiegel: Ein Inbetweener ist ein Zeichner, der für Zwischenzeichnungen zuständig ist) für The Rescuers, ich war darin gar nicht gut. Ich wechselte in die Geschichtenzeichnung von The Fox and the Hound. Danach war ich für eine erzieherischen Film zuständig, für die Geschichte, Storyboard und die Herstellung. Es ging um Gesundheit und Alkoholmissbrauch. Von da aus wechselte ich zu WED (Anmerkung Zauberspiegel: Eine Teilfirma des Disneyimperiums), heute Walt Disney Imagineering (Anmerkung Zauberspiegel: Entwicklungsabteilung der Themenparks). Dort arbeitete ich an dem Pavillon zum Thema Fortbewegung, damals teilte ich mir ein Büro mit Ward Kimball. Später dann an dem Space Pavillon, der nie gebaut wurde, und zuletzt an dem Imagination Pavillon mit Tony Baxter.
Ich kehrte zum Studio selbst zurück, wo ich für das Fernsehen Dokumentarfilme über den EPCOT Park herstellte, allerdings waren die Fernsehsender an Dokumentationen in Verbindung mit dem EPCOT Park nicht interessiert. Ich war unterstützend an einem Donald Special anlässlich seines 50. Geburtstag mit Dick Van Dyke beteiligt, in dem animierte Insekten vorkamen. Ich blieb bei der Company, schrieb und entwickelte Story Boards für mögliche Zeichentrickprojekte, beginnend mit Soccermania mit Sport Goofy. Die Arbeit an diesem Projekt brachte mich dann in Kontakt mit den Leitern von Disney TV Animation.
Ich kehrte zur Filmentwicklung zurück, wo ich Ideen für mögliche Filme entwickelt, unter anderem einen Kurzfilm über Mickey, Donald und Goofy in der Navy. Ich war bei den ersten Treffen zur Gründung eines neuen Firmenbereichs für Fernsehanimationsfilme dabei, und als ich darüber nachdachte die Firma zu verlassen, versetzte man mich zum Fernsehen. Ich war Creative Manager, wechselte dann aber für die dritte Staffel von den Gummi Bears in das Story Editing. Nachdem ich erst Producer der Serie war, wechselte ich dann zur Entwicklung und Durchführung der Rescue Rangers, Darkwing Duck, Alladin, Hercules und Buzz Lightyear von Star Command. Nebenbei habe ich noch den Start und die Produktion der ersten Direct-to-Video-Filme geleitet, The Return of Jafar und Aladdin and the King of Thieves. Ich produzierte mit Bob Schooley und Mark McCorkle Buzz Lightyear of Star Command, danach die Serie Team Atlantis. Da die Filme aber nicht sehr gut liefen, wurde die Serie gestoppt. Die Teile, an denen bereits gearbeitet wurde, legten wir dann zusammen und machten darauf Atlantis 2: Milo’s Return.

Zauberspiegel: Ich bin ein großer Fan von Darkwing Duck. Deshalb werden eine Menge Fragen des ersten Interviews zu einer Lieblingsente sein. Also: Let's get dangerous? Wieviele Batman- und andere Comics, Audioproduktionen, Pulps und Serien muss man konsumiert haben, um die Serie zu kreieren? Waren diese die Helden deiner Jugend?
Tad Stones: Ich habe alle diese Dinge als Heranwachsender gelesen, gesehen und gehört. Daneben auch noch viele andere Comics des Silver Age und frühe Marvel Comics. Die boten jede Menge Inspiration für die Geschichten und Bösewichte in Darkwing Duck.

Zauberspiegel: Wikipedia sagt uns, dass die Wurzeln von Darkwing die Duck Tales sind (vor allem zwei Folgen). Das letztendliche Konzept ist jedoch deutlich unterschiedlich von den Duck Tales. Was hat Darkwing Duck zu Darkwing Duck gemacht? Wie hat die Serie sich entwickelt?
Tad Stones: Es war nur  eine Folge, die mich auf die Spur von Darkwing Duck setzte, die hatte aber nur wenig direkten Einfluss. Jeffrey Katzenberg wollte von mir eine Spionageserie mit dem Titel "Double-O Duck", eine der Folgen der DuckTales, die mit den Mustern der James Bond Filme spielten. Mein erster Versuch war nur eine Spionageparodie ohne Herz. Jeffrey sagte mir, ich sollte sie nochmal neu schreiben. Ich wollte eine Sendung, die so wild war wie die klassischen Warner Brothers Kurzfilme der 1940er Jahre, aber mit mehr Herz und Länge. Das war ein großer Bruch mit allem, was Disney TV bis dahin gemacht hatte. inspiriert durch die Superhelden- und Pulpgeschichten, die ich so liebte, wurde ein neuer Double-O Duck geschaffen, der mehr Superheld als Geheimagent war. Aber bis zu dem Moment, an dem wir uns fragten "Was, wenn Batman ein kleines Mädchen hätte, das sich weigert zuhause zu bleiben" hatten wir keine Show. Die Beziehung zwischen Gosalyn und Darkwing verlieh der Serie ihr Herz. Jeffery gefiel die neue Richtung, aber als wir versuchten sie zu verkaufen, lernten wir, dass wir den Titel "Double-O" nicht benutzen konnten, da er den Produzenten der Bond-Filme bereits gehörte. So kam Darkwing Duck letzten Endes zu seinem Namen und seiner Serie.

Zauberspiegel: In der deutschen Syncronisation kam es zu einigen Veränderungen, durch die einige Aspekte verloren gegangen sind. Auf Deutsch hieß Darkwings geheime Identität Eddie Erpel (grob übersetzt Eddie Drake). In der Englischen Version war es Drake Mallard, ein Bezug auf »The Shadow«. Weißt du noch von anderen Bezügen, die verloren gegangen sind?
Tad Stones: "Drake Mallard" war keine absichtliche Anspielung auf die Identität des Shadow, Kent Allard. Ich suchte nur nach einem gute klingenden Namen, der in Richtung Ente ging. Vielleicht bin ich ein unterbewusstes Genie und habe den Namen aus meiner Erinnerung geholt. Über andere Veränderungen in den unterschiedlichen Übersetzungen weiß ich nichts. Schließlich wurde Darkwing Duck auf der ganzen Welt gesendet.

Zauberspiegel: Darkwing Duck stellte sich immer selbst mit einem Monolog vor, der sich immer etwas veränderte, wie »I am the terror that flaps in the night, I am the bubble gum that sticks in your hair«. Ich liebte das. Wer hatte die Idee für diese Monologe, die zu einem Running Gag und einem Warenzeichen der Serie wurden? Wer hat die geschrieben?
Tad Stones: Eine der frühesten Episoden war “A Duck by Any Other Name.” Ich glaube Duane Capizzi war der Story Editor, auch wenn die IMDB mich nennt. In dieser Episode verkleidet sich Launchpad (?) als Darkwing, er schaffte es jedoch nie, den Satz richtig aufzusagen. Er war großartig. Ich liebte die Idee so sehr, dass ich allen Geschichtenentwicklern sagte, Darkwing in ihren Geschichten diesen Charakterzug ebenfalls zu geben. Wir gingen dann zurück und fügten dies in allen Geschichten ein, die bisher geschrieben worden waren. Ich bin froh, dass das so früh in der Serie passierte, und wir so die Änderung noch vornehmen konnten.

Zauberspiegel: Mir fiel auf, dass nicht nur Darkwing Duck, sondern auch die Gummibärenbande und andere Disneyserien nicht nur für Kindern entwickelt schienen, sondern auch Elemente und Anspielungen für die Eltern und Großeltern enthielten. So wurde das Sehen der Serien auch für diese Generationen zu einem Erlebnis. War dies immer geplant, oder waren es Gimmicks der Autoren, die jene in Erinnerung an ihre Jugend einbauten?
Tad Stones: Es war kein offizieller Plan. Wir dachten einfach, dies wäre lustig. Außerdem sind Kinder schlauer als die meisten Erwachsenen glauben.

Zauberspiegel: Die Bösewichte, gegen die Darkwing kämpfen musste, sind alle selbst ziemlich außergewöhnlich. Ich freute mich besonders an Negaduck (dem Gegenbild von Darkwing). Wie wurden die unterschiedlichen Bösewichte geschaffen, hatten sie Rollenvorbilder?
Tad Stones: Jeder Bösewicht wurde unterschiedlich gestaltet. In der Entwicklungsphase habe ich viele eingeführt, aber die Story Editors und die Schreiber der Geschichten haben sie mit Fleisch versehen.

Zauberspiegel: In Erinnerung an Marvels S.H.I.E.L.D. hattet ihr S.H.U.S.H., wie kam es zu dieser Verbindung, begegnete meistens Darkwing DC-characters?
Tad Stones: S.H.U.S.H. erhielt seinen Namen nicht speziell an S.H.I.E.L.D. orientiert. Viele fiktionale Spionageorganisationen hatten Namen oder Gegner mit Initialen. Ich wuchs auf mit The Man from U.N.C.L.E. mit seinen Gegenspielern T.H.R.U.S.H. und den T.H.U.N.D.E.R. Agenten von Wally Wood.

Zauberspiegel: Zuletzt: Was machte Darkwing Duck für dich spannend, und gibt eine Aussicht darauf, vielleicht einmal einen Reboot oder eine Fortsetzung der Serie zu sehen?
Tad Stones: Ich liebte den Ton der Geschichte, die Hauptakteure, die Bösewichte und die verrückten Geschichten. Ich selbst werde nicht daran beteiligt sein ihn zurückzubringen, aber die Macher der NEW DuckTales sind große Fans von Darkwing. Also ... wer weiß?

Horst Hermann von Allwörden



Die Fragen für den Zauberspiegel stellte: Horst Hermann von Allwörden

Kommentare  

#1 Laurin 2016-10-16 11:16
Ja, Darkwing Duck hatte ich auch begeistert gesehen, zumal ich gute Zeichentrickfilme liebe. Aber der war wirklich einzigartig. Gleich danach kam Phantomias als Comic, den mein Neffe sich früher immer geholt hatte in den "Lustigen Taschenbüchern" und den ich gleich mitgelesen hatte. :-)
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