Mills, Kyle: Die letzte Mission

Einige Jahre später: Das Heimatschutzministerium gründet eine neue Behörde, die die besten Spezialisten zur Terrorbekämpfung in ihre Reihen aufnehmen will. Dazu gehört auch Fade, der sich jedoch standhaft weigert, aus seinem Frühruhestand zurückzukehren. Der Direktor der neuen Abteilung ist damit allerdings nicht einverstanden und greift zu einem hinterhältigen Mittel, um den ehemaligen Agenten erneut zu rekrutieren. Fest im Glauben, sich lediglich zu verteidigen, begeht Fade eine schreckliche Tat, die eine Reihe von unschuldigen Menschen das Leben kostet. Außer sich vor Wut schwört der einstige Spezialagent Rache. Urplötzlich kämpft Fade gegen die Menschen, für die er einst arbeitete und er hat nichts zu verlieren, denn die schicksalhafte Kugel wandert immer weiter durch seinen Körper...
Jeder Freund von Spannungsliteratur weiß es: Es gibt
eine ganze Menge Thriller auf dem Buchmarkt. Viele Autoren versuchen
sich an diesem Genre, die meisten davon allerdings mit höchst
mäßigem Erfolg, wenn überhaupt. Anders Kyle Mills. Seine Thriller
haben alles, was packende Romane brauchen: Interessante Charaktere,
fesselnde Storylines und jede Menge ironische Untertöne. Die
letzte Mission bildet da keine
Ausnahme.
Die letzte Mission lebt von der vollkommenen Auflösung des klassischen Schwarz-und-Weiß-Prinzips. Mit Ausnahme eines Serienkillers, der allerdings nur eine Nebenrolle im Roman spielt, gibt es keine Person, die wirklich gut oder wirklich böse ist. Die meisten Figuren handeln im festen Glauben daran, ihre Taten seinen richtig, auch wenn sie dadurch viel Kummer und Leid anrichten. Allen voran ist dabei die Hauptperson des Romans, Fade, zu nennen, dessen Wut man als Leser verstehen kann, dessen Rache allerdings droht, äußerst blutig zu werden.
Gerade diese Rache ist es, durch die beim Lesen ein faszinierend ambivalentes Gefühl hervorgerufen wird. Auf der einen Seite fiebert man mit dem sehr sympathisch dargestellten Fade mit und hofft, eigentlich gegen jeglichen Funken gesunden Menschenverstands, dass es ihm gelingen wird, seine letzte Mission zu vollenden, bevor ihn die Kugel endgültig lähmt. Auf der anderen Seite ist da die Figur von Matt Egan, der mehr oder weniger zu Unrecht ins Visier Fayeds geraten ist. Er wird von Mills nicht weniger sympathisch gezeichnet als der einstige Spezialagent. Als Leser fühlt man mit ihm ebenso mit wie mit Fade und hofft, dass er überleben wird, was allerdings im krassen Gegensatz zum Wunsch seines Gegenspielers steht.
Ein echtes Dilemma also, in das man da beim Lesen stürzt, und gleichzeitig ein enorm spannendes Stilmittel, das Die letzte Mission stark von anderen Thrillern unterscheidet und ihn zu einem einzigartig mitreißenden Roman macht.
Ansonsten liefert Mills in seinem Buch genau das, was man von ihm erwartet. Eine durchweg überzeugende Story, die reich ist an originellen Einfällen, bissige Ironie, die vor nichts und niemandem halt macht, und einen Hauptcharakter, der vielleicht nicht hundertprozentig authentisch wirkt, aber nichtsdestotrotz eine enorme Ausstrahlung besitzt und den Leser so innerhalb kürzester Zeit auf seine Seite zieht. Und das, obwohl es genau genommen die Gegenseite ist, deren Standpunkt man bei der Lektüre anderer Thriller verachtet.
Wie schon die anderen Romane von Kyle Mills ist auch Die letzte Mission ein Thriller geworden, der dem Genre alle Ehre bereitet. Kein Freund spannender Unterhaltung sollte die Bücher des Amerikaners außer Acht lassen; viel besser kann man Thriller eigentlich gar nicht schreiben. Im Endeffekt bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als sich der Meinung Tom Clancys anzuschließen, der da sagt: Lesen Sie die Romane von Kyle Mills ich tue es.
Und wer bin ich schon, dem Großmeister des Genres zu widersprechen...?