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Kurt Luifs HEXENGLAUBEN (Teil 13)

Kurt Luif's HexenglaubeHeute setzen wir unsere Serie

HEXENGLAUBEN
(Teil 13)

mit der 13. Folge fort. Im Mai 1487 tauchten Sprenger und Institor in Köln auf. Sie hatten den, von Ihnen verfaßten Malleus Maleficarium, die Bulle Summis desiderantes und ein Patent Maximilian I. vom 6. November 1486 bei sich. Die beiden Inquisitoren erbaten sich nun die Approbation (im katholischen Kirchenrecht: Anerkennung, Bestätigung, Gutheißung, Genehmigung durch die zuständige kirchliche Autorität; auch Bevollmächtigung zur Wortverkündung und zur Spendung des Bußsakramentes) der Kölner Universität. 

 

Jedoch nur vier Theologie-Professoren gaben ihr Gutachten ab. Das zweite Gutachten, das dem Hexenhammer beigeschlossen ist und den Malleus überschwenglich empfiehlt, ist eine Fälschung. Das Gutachten der vier Professoren war ziemlich zurückhaltend, was Sprenger und Institor natürlich nicht paßte; deshalb schlossen sie das gefälschte Gutachten an. Trotz allem war der Hexenhammer für viele bindend, der Grundstock für die Hexenprozesse war gelegt.

Doch der Hexenhammer stieß anfangs fast überall auf heftigsten Widerstand. Trotz des herrschenden Aberglaubens war die Bevölkerung nicht auf eine systematische Hexenverfolgung vorbereitet. Doch nach und nach setzte sich bei den Richtern der Hexenhammer durch. In der 8. und  9. Folge unserer Serie brachten wir bereits einiges darüber, was man den Hexen vorwarf. Bevor wir uns mit dem eigentlichen Hexenprozeß beschäftigen, wenden wir uns nochmals dem Treiben der Hexen zu. Als Beispiel dienen uns die Bekenntnisse der Hexen, die Im Jahre 1610 in Logrono in Spanien verurteilt wurden. Den Ort ihrer Zusammenkunft nannten die neunundzwanzig Verurteilten Aquelarre, d. h. Bocksberg, da dort der Teufel In Gestalt eines Bockes erschien. (In Deutschland waren die folgenden Orte beliebte Treffpunkte der Hexen: Blocksberg, Inselsberg, Weckingstein bei Minden, Staffelstein bei Bamberg, Heu- und Heuchelberg in Württemberg, Kreidenberg bei Würzburg. Hirschelberg bei Eisenach, Höberg in Thüringen, etc.). Montag, Mittwoch, Freitag waren die Tage der gewöhnlichen Zusammenkünfte. Die großen Zusammenkünfte fanden jedoch zu den kirchlichen Feiertagen, wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten statt. Der Teufel erschien als dunkelhäutiger, häßlicher Mann, der auf einem Ebenholzstuhl saß. Auf dem Kopf trug er eine kleine Krone, aus dem Hinterkopf und der Stirn wuchsen Hörner. Seine dunklen Augen schienen Flammen zu versprühen, und er trug einen Ziegenbart, während sein Körper halb Mensch, halb Bock war. Die Fingernägel krümmte er wie Vogelkrallen zusammen. Seine Stimme war tief und furchterregend.

Bei der Eröffnung der Versammlung warfen sich alle Teufelsanhänger zu Boden und beten den Satan an. Sie nannten ihn Gott und Herrn und murmelten die bereits bei der Aufnahme ausgesprochene Lossagung vom Glauben. Dann standen die Teufelsjünger auf, küßten den linken Fuß des Teufels, die linke Hand, den After und die Genitalien.

Die Zusammenkunft begann üblicherweise um neun Uhr und dauerte etwa bis Mitternacht; spätestens im Morgengrauen mußte sie beendet sein.

An den Hauptfeiertagen der katholischen Kirche fand die Beichte statt. Die Hexen und Zauberer gestanden ihre Verfehlungen dem Teufel, der sie dann bestrafte. Danach nahm der Teufel eine Parodie der Messe vor. In einer Art Predigt warnte er die Anwesenden vor einer Rückkehr zum Christentum und verhieß ihnen nach dem Tod ein Paradies. Dann wurde wieder der Satan angebetet, dabei küßte man ihm abermals den After. Nach der Messe gaben sich alle Frauen und Männer dem Teufel hin.

Anschließend schickte der Teufel alle nach Hause und befahl ihnen Böses zu tun. Er selbst verbrannte sich dann zu Asche.

Wer aufgenommen werden wollte, mußte dem christlichen Glauben abschwören. Er mußte auf die ewige Seligkeit verzichten und den Teufel als Gott und Herrn anerkennen. Er mußte ihm Gehorsam und Treue schwören. Eine der Abschwörungsformeln lautete: „Ich stehe hier auf der Mist, und verleugne Jesum Christ.“

Bis in einer Woche..
Copyright by © Kurt Luif 1976 + 2010

 

Kommentare  

#1 Pisanelli 2010-10-19 12:47
"Doch der Hexenhammer stieß anfangs fast überall auf heftigsten Widerstand. Trotz des herrschenden Aberglaubens war die Be¬völkerung nicht auf eine systematische Hexenverfolgung vorbereitet. Doch nach und nach setzte sich bei den Richtern der Hexenhammer durch."
Dies stimmt nicht. Der Hexenhammer stieß auf Widerstand und setzte sich nicht durch: wie bereits gesagt, wurde er bei keinem einzigen Inquisitionsverfahren eingesetzt!
Was die Bekenntnisse der Hexen und Zauberer betrifft: nun, unter Folter gesteht man alles... :sad:
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#2 Larandil 2010-10-19 13:18
Hmm. Ein "Hirschelberg" bei Eisenach ist mir nicht bekannt - statt dessen aber die Hörselberge. In Verbindung mit dem "Venusberg" der Tannhäuser-Legende könnte ich mir schon vorstellen, daß man die Hörselberge für sabbattauglich hielt.
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#3 Küchenmeister 2020-01-25 14:00
Wenn man die Anzahl der Hexenprozesse in den verschiedenen Territorien vergleicht, sieht man große Unterschiede. In Kursachsen gab es in der gesamten Zeit nur 37 Hexenprozesse, die nicht alle mit der Todesstrafe endeten. Auch in den anderen Ostdeutschen Flächenstaaten gab es wenige Hexenprozesse. Die schlimmsten Hexenverfolger waren je 2 Fürstbischöfe von Bamberg, Würzburg, Eichstädt sowie 2 Fürstäbte von Fulda und 2 Fürstpriore von Erlagen. Sehr viele Hexenprozesse gab es auch in den 3 Erzbistümern im Rheinland Köln, Trier und Mainz. Die Ursache dieser Unterschiede dürfte darin liegen, dass ein weltlicher Landesherr, der sein Land vererbt, Interesse an einer positiven Bevölkerungsentwicklung hat und ein geistlicher Landesherr nicht. Friedrich I. erster König in Preußen hat sich dazu geäußert: "Eine Frau die als Hexe verbrannt wird, kann mir keine Knechte und Mägde gebären. Also schaden mir Hexenprozesse.
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