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Aktenzeichen xy...ungelöst - Ein Klassiker wird 50

Aktenzeichen xy...ungelöst - Ein Klassiker wird 50Ein Klassiker wird 50
Aktenzeichen xy...ungelöst

"Meine Damen und Herren, sehen Sie nun eine weitere Folge unserer Sendereihe AKTENZEICHEN XY ... UNGELÖST. Dazu begrüßen wir auch unsere Zuschauer in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. In Zusammenarbeit mit der Polizei wird Eduard Zimmermann wieder über eine Reihe von ungeklärten Kriminalfällen berichten. Sachdienliche Hinweise zu den gezeigten Fällen, nehmen wie immer unsere Aufnahmestudios in München, Wien und Zürich entgegen."


Mit dieser Standardansage wurde in den 80er Jahren, einmal im Monat der größte TV-Klassiker angesagt, den es noch heute gibt. Seit Oktober 1967 gibt es diese Sendung im ZDF. Kein Jahr ohne Jubiläum, möchte man sagen - und so feiert man in diesem Jahr das 50jährige Bestehen der Kultsendung. Für den Zauberspiegel war es selten mal Anlass über XY zu berichten. Wir befassen ja letztlich höchstens mit der fiktiven Welt der Verbrechen. Und XY ist immer Reality-TV gewesen. Aber gut gemacht und wesentlich besser als jene Doku-Soaps, die man gelegentlich im privaten TV auffindet. Eduard Zimmermann war der Erfinder dieses TV-Formates. Mit "Vorsicht Falle!" fing das an. Kurz darauf entwickelte er "Aktenzeichen XY...ungelöst", kurz XY genannt. Früher war die Sendung daheim Pflichtprogramm. Einmal im Monat, freitags. Das Interessante daran, waren nicht die sogenannten Studiofälle, sondern die Filmfälle. Drei davon wurden immer behandelt und von dem Regisseur Kurt Grimm im Szene gesetzt. Der konnte das sehr gut. Mit einer aufpeitschenden Spannungsmusik, gut geschnittenen Szenen und renommierten Schauspielern (u.a. Rolf Schimpf, Heiner Lauterbach, Marion Kracht, Christine Neugebauer und Ruth Moschner als Kind) machte er aus Mordfällen und Banküberfallen spektakuläre Geschichten, deren Qualität sehr ansehnlich war. Auch heute noch, wie ich feststelle, wenn ich mir den einen oder anderen Fall mal wieder auf YT ansehe. Ein Sprecher wie damals Wolfgang Groenebaum sprach die passenden Texte. Die lauteten damals in etwas so "es war das letzte Mal, dass man sie lebend sah...." oder " wenig später wurde er Opfer eines grauenhaften Verbrechens". Diese Ankündigungen verrieten dabei gar nicht mal zu viel, sondern erhöhten die Spannung nur noch zusätzlich.

Es gab viele spektakuläre Fälle in der Sendung. Die Macher behaupten zwar noch heute hartnäckig  dass 40% aller Fälle mit oder ohne Hilfe des Publikums aufgeklärt werden konnten, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die meisten der vorgestellten Filmfälle blieben in der Tat ungelöst oder weitestgehend ungelöst. In der Aufklärungsquote sind auch die Studiofälle mit einbezogen - also reine Personenfahndungen z.B., die man nicht verfilmt hat. Bei Personenfahndungen geht es meist darum, nur den Aufenthaltsort einer gesuchten Person herauszufinden.

Die Sendereihe hat so einiges überlebt und ist nun nach 50 Jahren in Punkto Popularität ungebrochen. Sie ist sogar gewachsen. In den ersten Jahren war sie 60 Minuten lang und man stellte 3 Filmfälle vor. Diese hatten eine Länge von ca. 10-15 Minuten. Die Sendung, die früher immer auf dem Krimiplatz am freitagabend im ZDF lief, wird seit einigen Jahren mittwochabend gesendet und ist mindestens 90 Minuten lang. Es gab auch schon eien Spezialausgabe mit 120 Minuten. Die Filmfälle sind von drei auf 4-6 angewachsen und die Länge der Filmfälle variert ebenso zwischen 10 und 20 Minuten. Allerdings gab es auch schon Fälle, die mehr Raum eingenommen haben. Der Vermisstenfall Maddie McCann z.B. mit fast 30 Minuten, der Mordfall Maria B. mit ca. 30 Minuten und der geniale Bankraub unter Tage mit über 30 Minuten Länge. Letzterer wurde sogar sehr aufwendig inszeniert. Die Qualität ist also hoch geblieben. Sogar Specialsendungen wie "Vorsicht Betrug" und "Vermisste Kinder" gab es schon einige. In diesen kamen auch Betroffene zu Wort.

Ein weiterer spektakulärer Fall, dürfte der rätselhafte Mord an Günter S. Das sogenannte "BAB-Rätsel" oder der "YOGTZE-Fall" gilt bei heute als der mysteriöseste XY-Fall. Ein Mann bricht nach einem tlefonanruf zu einer nächtlichen Sparzierfahrt auf. Zuvor schreibt er ein merkwürdiges Wort auf einen Zettel "YOGTZE". Später wird er splitterfasernackt an der Autobahn gefunden. In seinem Wagen, mehrfach überfahren. Bis heute ungelöst.

Aber es gehört sich für Fälle in XY, das sie ungelöst sind, denn der Titel der Sendung ist ja eindeutig. Erfunden wurde das Format von Eduard Zimmermann. Der saß selbst mal einige Jahre im Gefängnis, da er als Journalist in der sowjetischen Besatzungszone der Spionage angeklagt wurde. nach fünf Jahren kam er frei. In seiner nüchtern-sachlich journalistischen Art machte er XY zum Erfolg. In diesem Stil sollte es 1997 weitergehen als Zimmermann die Reihe an Butz Peters weiterleitete. Der Rechtsanwalt kam aber beim Publikum nicht so an. Obwohl sich die Studioaufmachung änderte und alles etwas lockerer wurde, passte Butz Peters nicht so recht in das Bild. Anders wurde das mit Rudi Cerne, der 2001 die Sendung übernahm und erfolgreicher machte, als je zuvor.

Eine riesige Fangemeinde hat sich inzwischen gebildet und im Internet kursiert die berühmte XY-WIKi, in der alle (über 500 Folgen) aufgelistet sind und die Fälle beschrieben sind. Darunter findet sich auch der entsprechende Status: Geklärt, ungeklärt oder teilweise geklärt.

Kommentare  

#1 Peter 2017-01-25 19:00
Ach ja, das waren noch Zeiten...

Konrad Tönz und Peter Nedetzky (ohne zu goggeln) - die Helden meiner Jugend.

Und von "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" war ich auch ein Freund.
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#2 El Supremo 2017-01-25 19:07
zitiere Peter:
Konrad Tönz


Tönz? Das war ja der "Neue" aus der Schweiz. Ich erinnere mich noch an Werner Vetterli ... (Und gerade fühle ich mich alt)
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#3 G. Walt 2017-01-26 10:44
Ja, der Werner Vetterli.
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