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Die frühen (deutschen) Phantasten - Hanns Heinz Ewers

Die frühen (deutschen) PhantastenHanns Heinz Ewers

Die Begriffe Science Fiction und Phantasik sind heute im allgemeinen Sprachgebrauch keine unbekannten Wörter mehr. Doch irgendwann sind diese Literaturgattungen ja zum ersten Mal aufgetaucht.  Wir wollen auf die Pioniere der deutschsprachigen Phantastik blicken, damals als SF noch Zukunftsroman hieß.                  

Heute folgt auf Meyrink nun Hanns Heinz Ewers

Hanns Heinz EwersHanns Heinz Ewers geb. am  03. November 1871 in Düsseldorf war ein Deutscher Schriftsteller, Filmemacher, Globetrotter und Kabarettist.

Oftmals drehten sich seine Themen um Phantastik, Erotik, Kunst bzw. Künstler und Reisen in exotische Länder. Trotz seines Erfolges als Autor musste Er zeitlebens mit dem Vorwurf leben dass seine Werke trivial, unmoralisch oder pornographisch seien.

Ewers besuchte in Düsseldorf die Vorschule und das Königliche Gymnasium. Mit dem wilhelminischen Bildungssystem kam der Junge rasch in Konflikt. Besonders in Mathematik brachte er schlechte Noten nach Hause. Gut war er hingegen in Sprachen und im Aufsatzschreiben.

Im März 1891 bestand Ewers das Abitur und wurde kurz darauf zum Militär eingezogen. Allerdings hat man Ihn aufgrund seiner Kurzsichtigkeit bald wieder entlassen.

Im selben Frühjahr am 2. Mai 1891 schrieb sich Ewers an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin für das Fach Rechtswissenschaften ein, wie seine literarischen Vorbilder Heinrich Heine und E. T. A. Hoffmann, die beide ebenfalls Jura studiert hatten. 1892 wechselte Er an die Friedrich-Wilhelm Universität in Bonn. 1894 legte er in Bonn die Erste Juristische Staatsprüfung ab.

Danach trat Ewers sein Referendariat in Neuss und Düsseldorf an. Er vernachlässigte die Jurisprudenz und fiel schnell durch seine schlampige Arbeit auf. Stattdessen beschäftigte er sich mit Literatur, Philosophie, Okkultismus und Hypnose. Gerade Letztere spielte in seinen späteren Romanen und Novellen immer wieder eine Rolle – am deutlichsten im Debütroman Der Zauberlehrling.

Die 2. Staatsprüfung legte Ewers nicht ab. Jedoch wurde er am 7. November 1898 an der Universität Leipzig zum Dr. jur. promoviert. Diesen Titel benutzte Ewers aus Prestigegründen bei vielen Gelegenheiten.

Um 1901 ging Er auf Einladung Ernst von Wolzogen´s nach Berlin und kam bald mit der dortigen Kabarett Szene in Kontakt. Schon bald erfolgten erste Veröffentlichungen im Kabarett Überbrettl, dessen künstlerischer Leiter er schnell wurde. Seine ersten Bücher, Sammlungen seiner Kabaretttexte, erschienen unter eigenem Namen und wurden Bestseller.

Trotz seines Erfolges war Ewers mit seiner Arbeit am Kabarett nicht glücklich. Er wollte als Dichter ernst genommen werden, aber bekannt wurde er nicht durch seine anspruchsvolleren Kabaretttexte, sondern durch die eher schlichten Texte zum mitsingen.

Seine Reisen begann Ewers im Jahr 1905. Finanziert wurden diese vor allem durch Feuilletons, die er an Zeitungen kabelte, und die später in den beiden Bänden Mit meinen Augen, Von sieben Meeren sowie Indien und ich erschienen. Diese Anthologien gingen nicht auf die Initiative von Ewers zurück, worauf er in den Vorworten zu den jeweiligen Büchern ausdrücklich hinwies. Das Honorar, das er dafür erhielt, strich er gerne ein.

Ab 1913 interessierte sich Ewers für das noch neue Medium Film. Die Deutsche Bioscop G.M.B.H., die erste Filmproduktionsfirma, die Filme mit künstlerischem Anspruch produzierte, schloss ab 1912 u. a. mit Ewers und dem Schauspieler Paul Wegener einen Vertrag über künftige Zusammenarbeit ab.  

Die erste Zusammenarbeit zwischen Ewers und Wegener, der Film Der Verführte (1913), war in den Augen beider zwar künstlerisch enttäuschend, aber Der Student von Prag (1913), der zweite Film von Ewers und Wegener, gilt als der erste Kunstfilm überhaupt und damit als Meilenstein der Filmgeschichte. Ewers schrieb das Drehbuch eigens für den Film, Wegener führte zusammen mit dem Dänen Stellan Rye Regie und war Produktionsleiter in der Prager Altstadt. Die Geschichte des Studenten Balduin, der sein Spiegelbild verkauft, erinnert an Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814), E.T.A. Hoffmanns Die Geschichte vom verlornen Spiegelbilde (1815) und Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray (1890).  

Zusammen mit Wegener und Rye drehte Ewers bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch mehrere Filme, die heute größtenteils als verschollen gelten, u. a. auch Die Eisbraut (1913) nach Ewers’ eigener Novelle John Hamilton Llewelyns Ende (1907), der von der Zensur wegen einer Nacktszene sofort verboten wurde.  

Außerdem gab Ewers die Buchreihe Galerie der Phantasten heraus, eine Reihe mit Erzählungen bekannter phantastischer Autoren wie E.T.A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Karl Hans Strobl, Oskar Panizza und Alfred Kubin.

Eine weitere Reise führte Erwers 1914 nach Südamerika, das er umrundete. Die Reise ging vom brasilianischen Rio de Janeiro nach Montevideo in Uruguay, weiter nach Argentinien, Feuerland und durch die Magellanstraße nach Chile. Dort, in Antofagasta, erreichte das Schiff ein Telegramm mit der Nachricht von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajevo. Ewers fuhr weiter durch den offiziell noch nicht eröffneten Panamakanal nach Costa Rica und Jamaika und von dort weiter nach New York, wo er am Tag der österreichischen Kriegserklärung an Serbien ankam.  

Ewers blieb während des Ersten Weltkrieges in den USA. Er begründete seine Entscheidung damit, dass es unmöglich sei, als Deutscher mit dem Schiff nach Europa zu reisen, ohne angesichts der politischen Lage in britische Kriegsgefangenschaft zu geraten. Diese Entscheidung wurde ihm nach seiner Rückkehr vorgehalten. Später erzählte er eine andere Variante: Er habe den Atlantik schon halb überquert, als das Schiff umgekehrt sei, um nicht von der britischen Flotte abgefangen zu werden. Diese Variante widersprach jedoch Ewers’ anderen Aussagen an seine Mutter oder im (nicht erschienenen) Buch Yankeeland und im Roman Vampir, in dem Ewers seine Zeit in den USA literarisch aufarbeitete.

In den USA lernte Ewers unter anderem auch Aleister Crowley, den späteren Hitler-Unterstützer Ernst „Putzi“ Hanfstaengl und seine spätere Frau Josefine Bumiller kennen.

Der USA-Aufenthalt von Ewers war der große Wendepunkt in seinem Leben. Seine Karriere verlief von diesem Zeitpunkt an langsam, aber stetig nach unten, und Ewers änderte unter dem Eindruck der Repressalien und seiner Internierung von 1918 bis 1919 seine politische Meinung. Zuvor fühlte sich Ewers der „Kulturnation“ verbunden, einer übernationalen, kulturellen Elite zugehörig. Während des USA-Aufenthalts wandte er sich immer stärker einem mythisierten Deutschlandbild zu. In seinem dritten Roman, Vampir. Ein verwilderter Roman in Fetzen und Farben (1920), zeichnete Ewers diese Entwicklung anhand seines alter egos Frank Braun nach.

Am 3. Juli 1920 trat Ewers die Heimreise an. Anfang August kam er nach sechs Jahren wieder zurück nach Deutschland.

Nach seiner Rückkehr versuchte Ewers, in Deutschland wieder Fuß zu fassen, aber von den vielen Plänen, die er hatte – u. a. schrieb er das deutschsprachige Libretto für ein Musical –, wurden nur wenige Wirklichkeit. Von vielen Seiten wurde ihm angekreidet, dass er während des Ersten Weltkrieges in den USA geblieben war. Die öffentliche Stimmung war gegen Ewers. Auch finanziell stand er nicht gut. Mit dem Georg-Müller-Verlag kam es vermehrt zu Prozessen, in denen Ewers einbehaltene Honorare einklagte. Er versuchte sich zunächst mit seinen Vorträgen über Indien und Die Religion des Satans, mit denen er schon vor dem Ersten Weltkrieg Erfolge gefeiert hatte, über Wasser zu halten.

Ewers las 1929 Erich Maria Remarques Roman Im Westen nichts Neues, er war wenig davon beeindruckt. Er beschloss, einen ähnlichen Roman zu schreiben. Thema war jedoch nicht die Westfront des Ersten Weltkrieges, sondern die deutschen Freikorps, die in der Zeit der Weimarer Republik mit rechten Kräften paktiert hatten. Als Vorlage für die Gestaltung seines Helden Gerhard Scholz wählte Ewers Paul Schulz, einen Korpsführer der Schwarzen Reichswehr, der in den 1920er Jahren in einem spektakulären Gerichtsprozess wegen eines Fememordes nach dem Ersten Weltkrieg in Oberschlesien zu Zuchthaus verurteilt worden war. Das Buch erschien 1932 bei Cotta und öffnete Ewers den Weg zu rechtsradikalen Kreisen.  

Ewers war zu dieser Zeit schon Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), allerdings sprach er sich ab etwa 1930 vermehrt für eine faschistische Revolution aus, die er schon bald kommen sah. Dementsprechend wurde er Mitglied der 1931 von Waldemar Pabst gegründeten Gesellschaft zum Studium des Faschismus. Zu seinen engeren Bekannten gehören nun Ernst Hanfstaengl, den Ewers noch aus New York kannte und der mittlerweile einer der Geldgeber der NSDAP war, und August Wilhelm von Preußen, ein Sohn von Wilhelm II. Auch hatte er schon erste Kontakte mit führenden NSDAP-Mitgliedern, u. a. dem SA-Führer Ernst Röhm und dem späteren Propagandaminister Joseph Goebbels.  

Ewers machte sich an die Recherchen zu seinem letzten Roman Horst Wessel. Ein deutsches Schicksal (1932). Der 1930 ermordete SA-Sturmführer Horst Wessel sollte nach Plänen von Goebbels zu einem Märtyrer der nationalsozialistischen Bewegung aufgebaut werden. Ewers nahm Kontakt zu Wessels Familie und Kameraden aus seinem Sturm auf. Es darf als wahrscheinlich gelten, dass sich Ewers und Wessel kannten – beide studierten Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin, beide waren in derselben Studentenverbindung, der Normannia – Ewers als Alter Herr, Wessel als Corpsbursch. Außerdem wirkte Wessel in der zweiten Fassung des Studenten von Prag (1926) bei den Dreharbeiten in Berlin als Statist mit. Ewers führte bei dem Film zusammen mit Henrik Galeen Regie und wird in der Biographie von Wilfried Kugel sogar als eventueller Ghostwriter des Textes des Horst-Wessel-Liedes vermutet.

Ewers’ Stern sank mit dem so genannten Röhm-Putsch am 30. Juni 1934. Auch Ewers soll auf der Liquidierungsliste der SS gestanden haben. Die Straßenkrawalle im Horst Wessel waren für die seit dem Vorjahr regierende NSDAP nicht mehr opportun in der Propaganda. ironischerweise wurde gerade Horst Wessel als erstes von Ewers’ Büchern verboten, dann Fundvogel und Alraune. Schließlich wurden im selben Jahr alle Werke von Ewers auf eine Verbotsliste gesetzt, bis auf Reiter in deutscher Nacht.

Nach den Nürnberger Rassegesetzen wurde Ewers klar was letztlich auf die Juden in Deutschland zu kam. Ewers unterstützte seine jüdischen Freunde, indem er ihnen Ausreisevisa in die USA oder Großbritannien beschaffte.

Trotzdem hoffte Ewers noch das gegen Ihn verhängtes Publikationsverbot würde aufgehoben werden. Was letztlich auch gelang. Zusammen mit dem Zinnen-Verlag plante Ewers zwei Erzählungsbände herauszugeben: Die schönsten Hände der Welt erschien kurz nach Ewers’ Tod im Jahr 1943, Der weiße Wolf kam über die Planung nicht hinaus. Die schönsten Hände der Welt enthielt neben schon Veröffentlichtem auch drei neue Texte, die titelgebende Reisenovelle und die beiden Satiren auf den Nationalsozialismus Wir fangen Fische und Der Regenwurmklub.

1943 war Ewers gesundheitlich stark angeschlagen und durch berufliche und persönliche Krisen geschwächt. Er starb am 12. Juni 1943 in seiner Berliner Wohnung. Seine Asche wurde am 15. Oktober desselben Jahres auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof beigesetzt.

Quellen : Hanns-Heinz Ewers.com, Wikipedia

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