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Die Vampire und Dirk - Der Vampir-Horror Roman: Das Grab des Vampirs

Dirk und die VampireDer Vampir-Horror-Roman
Das Grab des Vampirs

Der Vampir-Horror-Roman ist eine Legende des Heftromans. Ich bin leider erst nach Einstellung der Reihe auf die Serie gestoßen und habe in den achtziger Jahren jede Menge davon gelesen.

Dreißig Jahre später wiederhole ich das Experiment Vampir-Horror-Roman lesen nochmals. Ob es immer noch gefällt?

Das Grab des VampirsDas Grab des Vampirs
von Frank Sky (H.G. Franziskowsky
)
Vampir Horror-Roman Nr. 86
Oktober 1974 / DM 1,20

Pabel Verlag
Die Fotografin Ira Bergmann und der Medizinstudent Dietmar Runge sind auf dem Weg zur Schlosspension von  Alphonse de Marcin, das an der Atlantikküste der Bretagne düster vor sich hinschlummert. Der erste gemeinsame Urlaub soll sie, wenn es nach Dieter geht, näher zusammen bringen. Etwas gereizt und übermüdet, macht er etwas helles im Gebüsch der Landstraße aus. Als sie aussteigen, entdecken sie die Leiche einer jungen Frau, der man brutal die Kehle zerbissen hat. Leider springt danach der Wagen nicht mehr an. Dieter holt im nächsten Ort Hilfe und lässt Ira im Auto zurück. Der Mörder des Mädchens ist noch in der Nähe und schleicht sich jetzt an Ira heran. Mit einem Stein versucht er ins Innere des Wagens zu gelangen und zeigt sein Gesicht. Ein unheimlicher Vampir starrt die Fotografin an. Ira versucht in ihrer Panik den Motor zu starten und hat Glück. Nach einiger Zeit kommt ihr Dieter mit einige Polizisten entgegen. Die Leiche des Mädchens ist verschwunden, aber der Vampir versucht es erneut bei Ira. Sie kann ihn mit Blitzlicht vertreiben und macht nebenbei ein paar Aufnahmen.

Die Polizisten auf dem Revier entwickeln den Film, auf dem, neben dem toten Mädchen, sonst nur ein helles Oval zu sehen ist. Eigentlich hat Ira den Vampir recht gut getroffen. Der leitende Beamte glaubt die Geschichte mit dem Blutsauger natürlich nicht, wundert sich aber über das Ziel der beiden Urlauber. Das Schloss scheint ein Geheimnis zu bergen.

Gegen drei Uhr in der Früh kommen Ira und Dietmar endlich an und werden von seltsam mürrischen Bediensteten empfangen. In ihrem Zimmer entdeckt Ira ein paar Kleider im Schrank die ihr perfekt passen. Irgendwie fühlt sie, dass sie nicht zum ersten Mal auf diesem Schloss ist. Alles kommt ihr so vertraut vor.

Beim Frühstück lernen sie die anderen Gäste kennen. Von einem gewissen Comte Maurice de Rochelles ist Ira besonders beeindruckt. Dietmar ist etwas eifersüchtig. Der Typ hat zwar ein markantes Gebiss, scheint auf Frauen aber einen gehörigen Eindruck zu machen, denn eine junge Engländerin scheint ebenfalls mit ihm zu flirten. Der Schlossherr, Alphonse de Mascin, ist ein gutmütigerer Mann, der sich um seine Gäste sichtlich bemüht. Nur die Blicke, die er mit seinem Kastelan Albert wechselt, passen nicht zu einem Diener und Herrn-Verhältnis.

Ira schmachtet weiter den Comte an, während der Hausherr von der interessanten Chronik seines Schlosses, welches seine Familie erst vor einhundert Jahren erworben hatte, berichtet. Ein gewisser Maurice hat vor ca. 200 Jahren seine schwangere Geliebte umgebracht und über die Mauer geworfen. Da er mit ihrer älteren, zänkischen und eifersüchtigen Schwester verheiratet war, durfte über die Schwangerschaft nichts an Licht kommen. Später ist er im Atlantik ertrunken und manche Menschen behaupteten damals, dass er sich aus Gram selber richtete. Seit dieser Zeit soll er im Schloss umherspuken und jungen Mädchen das Blut aussaugen. Nachdem der gesellige Abend vorüber ist, trifft sich Ira mit dem Comte Maurice im Park. Nach ein paar zärtlichen Küssen beißt er ihr schließlich sanft in den Hals. Bei ihr gehen die Lichter aus. Dietmar findet sie halbnackt unter einem Gebüsch liegend und bringt sie ins Schloss. Dort beobachtet er, wie der Comte in das Zimmer der jungen Engländerin June schleicht. Am anderen Tag sitzen beide Frauen mit Rollkragen-Pullovern am Tisch.

Ira hält Kastelan Albert für den Mörder von der Landstraße.  Als sieh ihn mit einem blutigen Beil durch das Schloss schleichen sieht, bestätigt das noch ihre These. Zudem sieht sie ein großes Portrait einer Frau, die ihr sehr ähnlich sieht. Als sie den Comte vom Fenster aus  in einem Rosengarten sitzen sieht, macht sie ein paar Fotos von ihm. Später ist der Film verschwunden und den Garten gibt es gar nicht. Dietmar Runge überredet sie, mit ihm einfach den Urlaub abzubrechen, aber der Comte geht dazwischen. Angeblich haben seine Verwandten es auf sein Erbe abgesehen und versuchen, mit allerhand Intrigen und Tricks, ihn wie einen verkappten Mörder aussehen zulassen. Ira glaubt ihm und bleibt, schließlich ist sie stark in ihn verliebt. Trotzdem besucht sie das Polizeirevier und meldet die Vorfälle.

In ihrem Zimmer entdeckt Ira die ermordete June. Man hat ihr die Kehle zerfetzt. Die Polizei kommt auf Schloss und ermittelt, der Mörder muss noch anwesend sein. In dem Trubel lädt der Comte Ira ein, ihn zu Freunden zu begleiten, um etwas Zerstreuung zu finden. Dietmar unterhält sich mit dem Schlossherrn und beschließt, nachdem er die Schlosschronik gelesen hat, gegen den Vampir vorzugehen. Eigentlich sind es zwei Vampire, denn der Vater der ermordeten Schwangeren, der Dauphin, hat sich ebenfalls in einen Blutsauger verwandelt und kämpft seit über 200 Jahren mit seinem Kontrahenten Maurice um das Blut junger Mädchen. Er hat dem Mörder seiner Tochter eine Falle stellen wollen und ihn in eine Kapelle gelockt, die er schließlich angesteckt hat. Verbrannt sind dabei aber seine Tochter und ihr Kind.

Maurice bringt Ira in ein nahegelegenes Schloss, in dem sich eine vampirische Gesellschaft versammelt hat. Sie soll das Opfer des heutigen Festes sein. Dietmar und Alphonse de Mascin eilen ihr zu Hilfe, werden unterwegs allerdings vom Dauphin-Vampir aufgehalten. Als Ira und Maurice, der inzwischen ein schlechtes Gewissen bekommen hat, vom Fest mit einer Kutsche flüchten, hängt sich Dietmar an das Gefährt. Die Pferde halten erst an einer brennende Kapelle, in der der damals das Unglück passierte und Mutter und Tochter verbrannten. Der Dauphin hat die Kutsche gelenkt und versucht jetzt mit Ira in die Flammen zu gehen, doch Dietmar treibt die Kutschpferde an und rammt dem Vampir die hölzerne Deichsel in den Brustkorb. Die brennende Kapelle ist plötzlich verschwunden.

Wieder auf dem Schloss geht es jetzt dem verbleibenden Vampir, Maurice de Rochelle, ans unheilige Leben. Im Park liegt sein Sarg in der Erde verborgen. Als man ihn schließlich gefunden und geöffnet hat, schlägt der Vater von June ihm einen Holzpflock durchs Herz. Der Spuk ist vorbei...

Dirk und sein SenfMein Senf
Ja, öhem... was soll ich sagen? Wenn aus der Verwirrung am Ende ein rundes Ganzes entsteht, ist das eine tolle Sache. Will sagen: Franciskowsky hat den Knoten seiner Geschichte irgendwie gelöst bekommen, aber so richtig fertig klang die Story auch nach 65 Seiten nicht. Seine Taktik, zumindest bei den Pabel-Vampiren, war vermutlich einfach drauflos zu schreiben und den Leser mit allerhand Ungereimtheiten zurück zu lassen. Erinnert ein wenig an die „Romane“ des Gruselpapstes Reverend Lionel Fanthorpe, alias John E.Muller (u.a.), der auch allerhand krauses Zeug zusammenschrieb bzw. diktierte.  Allerdings muss man sagen, dass Fanthorpe´s Romane wenigstens etwas phantasievoller rüberkamen als Sky´s Machwerke. Ein Schloss und ein paar olle Vampire dürften auch 1974 schon keinen Leser mehr von der Couch gerissen haben. Dazu noch eine Romanze plus Nebenbuhler, der unter einseitiger Liebe litt und sich für den nächsten Anranzer der Angebeteten auch noch bedankte. Schön, dass uns Frank Sky hat mitleiden lassen. Da kamen nochmal die angestaubten Erinnerungen an frühere Zeiten zurück, als man Mädchen noch für feenhafte Geschöpfe hielt. Aber spannend wurde es leider nicht, eher frustig.

Bei all den bemühten klassischen Elementen (Vampir, Schloss usw.) will sich trotzdem kein Gruselfeeling einstellen. Vielleicht bin ich als Leser zahlreicher Schauergeschichten  auch einfach zu abgebrüht und habe mich satt gelesen. Ist mir schon einmal in den 80ern passiert. Da waren an die drei Sinclair Romane täglich auch einfach zu viel. Ich bin bei der Nummer 93 (oder so) damals eingestiegen, als Sammler will man ja schließlich das ganze Werk kennen, und zwar schnell,  aber gesund war das bestimmt nicht. Damit meine ich nicht die wunden Stellen vom  „auf der faulen Haut liegen“. Gut, dass mich das Leben irgendwann eingeholt hat, denn nach 2000 aufgerissenen Hemden und an die 10.000 Silberkugeln später, wäre von dem bisschen Gehirn, was der Mensch so rumschleppt, wahrscheinlich nur ein Eierbecher voll übriggeblieben... hochgerechnet. Mit Sky´s zweiten Klopper bei den Vampiren, zog ich also wieder eine Schublade mit alten Erinnerungen auf. Immerhin etwas.

Jetzt aber zum Roman, der zumindest ein erkennbares Grundthema hatte: Einseitige Liebe. Es ist traurig, wenn man jemanden anschmachtet und diese Person versucht ihren Vorteil daraus zu ziehen oder einen als Furzkissen benutzt Noch trauriger ist es, wenn man als Unbeteiligter gefühlte zwei Stunden diesem Schlagabtausch beiwohnt und dafür noch Geld, auch wenn es nur 1,20 DM waren, bezahlt hat. So ein bisschen Zoff zwischen zwei Liebenden kann ja einer Geschichte (Film, Hörspiel usw.) auch gut tun, aber dann muss wenigstens irgendwo anders die Spannung herkommen. Der Held (na ja) Dietmar Runge, konnte einem schon leid tun, wie er bei seiner Ira immer wieder (ca. alle 5 Seiten) auf Granit biss und sie ihm sogar andere Kerle vor die Nase setzte. Hatte Dietmar dann zwischendurch den Bembel gestrichen voll, machte sie ihm wieder Hoffnungen. Nach gefühlten 20 Rettungsaktionen seinerseits, durfte er schließlich ihre Einkäufe tragen. Als Leser war das schwer zu verdauen, zumal die Aufmerksamkeit durch die seichte Geschichte eher auf das Zwischenmenschliche gelenkt wurde.

Die Sache mit dem Vampir (Alphonse de Mascin) kam etwas unausgegoren daher. Er soll seit 200 Jahren um das Schloss  herumschwirren, weil er seine Geliebte auf dem Gewissen hat -  kann ja mal vorkommen. Wie ist er zum Vampir geworden? Man sieht ihn zu jeder Tageszeit und auf einmal liegt er in einer Kiste irgendwo in der Gegend herum. Vorher hat er mit seinem Verhalten jede Menge Staub aufgewirbelt, so dass man sich fragt, wie er die letzten 200 Jahre unbehelligt überstanden hat. Dass so ziemlich am Schluss noch ein zweiter Vampir auftaucht, macht die Geschichte auch nicht unbedingt spannender oder gar glaubwürdiger. Zum Finale hin wurde das Geschehen dann immer ungereimter bis gar nicht mehr überschaubar. Das Fest der Scharfzähne vom „Tanz der Vampire“ wurde einfach mit der Kutschfahrt über den Gorgo-Pass verknotet und am Ende brannte die Hütte bzw, Kapelle. Ganz klassisch wurde dann mit Hammer und Eichenpflog (oder mit der Pferdedeichsel) hantiert. Francis... hatte bestimmt schon einiges über Vampire gelesen oder gesehen. Sehr stark wich er von seinen empirischen Werten nicht ab.

Gedanklich kann man diesen Roman ruhig in der „muss ich nicht mehr lesen“ Ecke ablegen. Wie auch schon bei seinem Erstling, kommt Franciskowsky nicht so richtig gruselmäßig über den Berg. Manchmal ist ja wenigstens der Anfang einer Geschichte, Autor ist jetzt mal egal, noch interessant erzählt, aber VHR 86 war schon nach drei Seiten stinklangweilig.
Bevor ich jetzt noch weiter auf Frank Sky einprügle, wir wissen alle, dass seine Stärken wo anders lagen, mache ich mal lieber Schluss. Der Mann ist schließlich ein Denkmal des Hörspiels.

Kann sein, dass diesmal noch mehr Fehler im Text enthalten sind (es gibt ja Leser des Zauberspiegels, die auf lupenreine Rechtschreibung großen Wert legen) als sonst, aber mehr als zweimal Korrektur lesen war bei dieser drögen Story und dem heißen Wetter echt nicht drin.

Was gab es sonst noch?
Das Titelbild kommt diesmal sehr klassisch in einem Cape-Futterstoff-Rot daher. Der Vampir ist schon grün vor Hunger im Gesicht. Sehr romantisch.

Bei VAMPIR INFORMIERT tanzt diesmal der Voodoo-Priester. Wie bei anderen  Religionen gibt es auch hier Gute und Böse. Kommt drauf an, für welches Anliegen man sie braucht. Ursprünglich stammt dieser Glaube aus Afrika, landete aber mit den verschleppten Sklaven irgendwann auf Haiti. So richtig bekannt wurde Voodoo aber erst durch diverse Horror-Filme. Personifizierte Zauberpuppen mit Fernwirkung und der immer noch angesagte Zombie sind wohl die bekanntesten Figuren dieses Kultes. Wer kennt sie nicht, diese ominösen Stiche, die einen manchmal piesacken und von alleine wieder verschwinden. Natürlich spielt der Aberglaube hierbei eine große Rolle, aber beschwören möchte ich es nicht...

Im nächsten Artikel starrt uns „DAS DÄMONENAUGE“ (VHR 87) von Neal Davenport an. Da kann man die Voodoo-Magie wohl in Aktion erleben. Ich bin gespannt.

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Kommentare  

#1 Thomas Mühlbauer 2019-06-26 09:03
Eine etwas wirre Vampirgeschichte, mit (zu) vielen Personen, diversen Klischees und einer höchst unsympathischen und zickigen Hauptakteurin. Etwas mehr Atmosphäre stellt sich erst ab Seite 48 ein, als der Schauplatz von einem Schloßhotel zu einem einsamen Schloß im Wald wechselt. Allerdings entstanden diese Szenen eindeutig unter dem Eindruck des Filmes Tanz der Vampire von Roman Polanski, der im Roman sogar erwähnt wird.
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#2 Andreas Decker 2019-06-26 09:27
Zitat:
Die Sache mit dem Vampir (Alphonse de Mascin) kam etwas unausgegoren daher.
Dann bin ich nicht der Einzige, der bei diesem Mist irgendwann den Faden verloren hat. Gut zu wissen :-)

Ich habe den Roman vor kurzem anlässlich deiner Reihe noch mal quergelesen, wusste irgendwann nicht mehr, wer was und warum macht und es war der Mühe auch nicht wert.

An dem Roman ist nur das Cover gut. Den Rest kann man in die Tonne kloppen.
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