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Tatort- The best cases ever: Reifezeugnis

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Sina Wolf, Tochter einer wohlhabenden Kieler Familie, ist 17 und besucht die Oberschule. Die hübsche junge Frau wird von ihrem Mitschüler Michael verehrt. Er bemüht sich um Sina – doch die will nur einen: ihren Lehrer Helmut Fichte. Die Schülerin ist schwer verliebt in den gutaussehenden Mann. Fichte, 32 Jahre alt, kann seiner minderjährigen, aber äußerst reizvollen und klugen Schülerin nicht widerstehen, und so beginnen beide eine heimliche Affäre. Regelmäßig treffen sie sich in ihrem Liebesversteck an einem See.


ReifezeugnisAls Michael Harms zufällig das Verhältnis der beiden aufdeckt, versucht er, Sina damit zu erpressen. Für sein Schweigen verlangt er Sex von ihr.

Michael vergewaltigt Sina eines Tages im Wald. Mit eienm Stein erschlägt sie ihn. Aus Kiel kommt Kommissar Finke aufs Land um den Fall zu klären. Schnell kommt er dahinter, dass alle beteiligten mehr wissen als sie sagen. (1)

Wenn man an die großen Tatort-Klassiker denkt, dann kommt man an "Reifezeugnis" nicht vorbei. Er verdrängt sogar alle anderen Klassiker in den Erinnerungen der Fernsehnation. Zu Unrecht, wie man immer wieder feststellt, wenn man die letzten 45 Jahre Tatort wirklich nochmal Revue passieren lässt. Reifezeugnis lebte eigentlich nur von zwei Dingen. Zum einen war es das gesellschaftliche Tabu einer Lehrer-Schülerin-Beziehung. Ein Umstand, der so nicht sein durfte, ein Skandal und zu der damaligen durchaus auch ein heißes Eisen für einen Krimi. Welcher Lehrer hat sich am Montag nach der Erstausstrahlung des Films nicht unter Generalverdacht gesehen? Würde man nicht in ihm auch einen Lehrer mit Hang zu hübschen, jungen Mädchen sehen? Oder gar einen notorischen Ehebrecher?

Der erwartbare Skandal um den Film und der gesellschaftliche Aufschrei blieben zum Glück aus.

Zweiter Anziehungspunkt des Krimis war die damals noch sehr junge Nastassja Kinski. Die Tochter des großen Filmstars Klaus Kinski. Die Zuschauer waren nicht zu Unrecht gespannt auf ihre Leistung und schnell galt sie als die unantastbar Schöne. Dass es sogar Nacktaufnahmen von ihr gab, musste dann wohl sein. Es war zumindest der Handlung geschuldet und auch darüber diskutierte am Montag nach dem Tatort. 1977 war eine Zeit in der Fernsehen noch ein Erlebnis war. Zumindest hin- und wieder. Denn da gab es Zündstoff und was zu erzählen. So wie hier. Das Montagsthema in der Mitarbeiter-Kantine war gesichert.

An den genannten zwei Aufhängern wurde dieser Tatort diskutiert. Der Mord war Nebensache. Dabei ist es doch die Tat, das Verbrechen, welches einen Krimi ausmacht. Hier war es ganz anders. Der Mord war Beiwerk. Zudem war die Tätern, wie so oft in den 70er Jahren von Anfang an bekannt.

Kinski spielt diese erste große Rolle für sie sehr gut. Die verliebte naive Schülerin, die sich den Avancen und Erpressngsversuchen eines Mitschülern kaum entziehen kann und in arge innere Konfliktsituationen gerät, als sie ihren Peiniger tot schlägt. Sie macht die Tat mit sich aus. Anvertrauen kann sie sich nicht mal ihrem Liebhaber - aus Angst ihn auch noch zu verlieren.

Als diesen sieht man den späteren "Landarzt" des ZDF, nämlich Christian Quadflieg. Sohn des großen Will Quadflieg. Der junge Quadflieg-Spross war ein Krimi-Dauergast. Derrick, Der Alte usw. Er hatte ein Jahr zuvor schon einen Tatort gemacht. Ansosnten waren es kleinere unbekannte Rollen, die ihn im TV beschäftigten. "Reifezeugnis" gab ihm den entsprechenden Karriere-Schubs im TV-Geschäft. In drei der besten derrick-Folgen spielte er undurchsichtige Charaktere. "Derrick und seine Fälle: Folge 64 - Ein Todesengel" (1978), "Zeuge Yurowski" (1979) und "Derrick und seine Fälle: Folge 46 - Kaffee mit Beate" (1978). Es folgten Rollen in allen bekannten Serien wie "Traumschiff", "Ein Eall für zwei", "Siska" und 6x "Der Alte". Den "Landarzt" spielte er in 40 Episoden fünf Jahre lang.

Seine Frau wird von Judy Winter gespielt. Die kühle Blonde ist für ihr geniales Spiel bekannt. Auch hier spielt sie eine starke Frau, die sich von der Affäre ihres Mannes nicht beeindrucken lässt. Im Gegenteil. Sie kämpft und ergreift Partei für Sina, die in ihren Augen das Opfer ist. Auch sie war seit Beginn ihres Fernsehschaffens ein gern gesehener Krimigast. Den "Tatort" beehrte sie ejdoch insgesamt nur 2x.

Klaus Schwarzkopf alias Kommissar Finke ermittelte sieben Jahre lang in sieben Fällen am norddeutschen Tatort Kiel. Oftmals ermittelte er im ländlichen Kiel und kam damit seiner aktuellen Kollegin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) zuvor, die das in ihrer Anfangszeit auch oft tat. Sein Aisstent war meistens Wolf Roth. In "Reifezeugnis" aber, seinem vorletzten Fall übernahm Rüdiger Kirschstein ("Auf Achse") die Rolle des Assistenten. Ähnlich wie bei Kommissar Lutz, wo Frank Strecker den Assitenten spielte, fungiert Kirschstein nur als Stichwortgeber, statt als guter Polizist, der auch mal einen Geistesblitz hat.

Der Tatort gilt noch heute als der Bekannteste. Das liegt aber sicher an den häufigen Wiederholungen und vielen Besprechungen im Internet.

Drehorte waren Malente und Eutin. Mit 67% Marktanteil war auch dieser Film wieder sehr erfolgreich. Das 73. Tatort war auch einer der längsten: ca. 101 Minuten.

Wolfgang Petersen führte Regie und danach rief Hollywood nach ihm. Nach Nastassja Kinski riefen sie übrigens auch, wenn auch ein paar Jahre später.

(1)= Tatortfans.de

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