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Das historische Kalenderblatt - 23. Januar 1940 - Jürgen Grasmück wird geboren

Das historische Kalenderblatt23. Januar 1940
Jürgen Grasmück wird geboren

Der erste Kriegswinter des 2. Weltkriegs. Die Wehrmacht hatte im September Polen überrannt, mit der Bombadierung Warschaus ein schreckliches Kapitel geschrieben, das erst die Ouvertüre für viele teils noch schrecklichere Wiederholungen werden sollte.

Daraufhin hatten England und Frankreich Hitlers so genanntem Dritten Reich den Krieg erklärt.
Aber der erste Winter des Krieges war (an Land) ein Winter des Wartens. Am Rhein lagen sich Deutsche und Franzosen gegenüber. Es blieb ruhig. Der eigentliche Beginn des Krieges lag noch vor Europa und dem Rest der Welt. Im Mai würde der Westfeldzug beginnen .. Und erst im Mai 1945 (im Pazifik erst nach dem Einsatz zweier nuiklearer Bomben im August) war dieser wahnsinnige Krieg beendet...

Am 23. Januar 1940, ein Tag in diesem  ersten Kriegswinter, erblickte ein Kind die Welt. Es sollte - zum Glück - in keinen Krieg ziehen. Dieses Kind sollte nicht den Weltfrieden bringen. Aber es sollte, nicht einmal drei Jahrzehnte nach seiner Geburt, ein kleines Stück deutscher Literaturgeschichte schreiben, als der Roman „Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus“ im Zauberkreis Verlag als Silber-Krimi 747 erschien.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger...

Es muss kalt gewesen sein, an jenem 23. Januar 1940 in Hanau. Wenn es im Rheingraben bei Karlsruhe (einer Gegend, in der es normalerweise immer ein paar Grad wärmer ist) schon -25° Celsius waren, so dürfte es in Hanau eher kälter gewesen sein. Dort wurde Jürgen Grasmück als Sohn von Maria und Otto Grasmück in Hanau geboren. Seine Mutter starb bei der Geburt, und er wurde von seiner Tante Josefine Kopp, geb. Grasmück (einer Schwester seines Vaters) und deren Mann Alois großgezogen.

Sein leiblicher Vater fiel 1944 bei Stalingrad in Russland, als Jürgen gerade vier Jahre alt war. An diesem 23. Januar 1940 dürfte noch keiner geahnt haben, dass aus dem gerade geborenen Jungen der 'Vater des Horrorheftromans' werden würde. Es dürfte auch niemanden interessiert haben, denn es gab sowohl unmittelbare Sorgen, als auch einen heraufdämmernden Weltkrieg. Und es galt Vorbereitungen für die Beisetzung der Mutter zu treffen.
 
Auch außerhalb Hanaus ging das Leben weiter. Persönliche Schicksalsschläge halten eben nie den Gang der Welt auf... Es geht immer weiter.
 
Die Nazis hatten sich seit ihrer Machterschleichung 1933 breit gemacht. Wenige Monate später würde Adolf Hitler nach dem Sieg über Frankreich seine höchsten Popularitätswerte erreichen. Die Nazis indoktrinierten erfolgreich Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Propagandamaschine lief. Und da gesiegt wurde, andere Gebiete auf dem Verhandlungsweg heim ins Reich geholt und angeschlossen wurden, saß das Regime zu diesem Zeitpunkt fest im Sattel und genoß große Popularität.
 
Wie so oft in Diktaturen bedurfte ein aktiver Widerstand eine besondere Form der Zivilcourage., so dass man diese als sehr niedrig beziffern dürfte. Die meisten Gegner der Nazis versuchten nur nicht aufzufallen, darunter viele Sympatthisanten der Kommunisten und der Sozialdemokratie. Die Gestapo und noch mehr der freundliche Denunziant von nebenan waren überall. Aber die aller meisten dürften Mitläufer gewesen sein, die versuchten ihr Leben zu leben.
 
In dieses Klima hinein wurde nun Jürgen Grasmück geboren. Zum Glück begann seine Sozialisation erst nach dem Ende des Regimes so richtig. Zwar gelten die Nachkriegsjahre und die ersten Jahre der Bonner Republik unter Adenauer als dumpfe Jahre, aber so ganz stimmt das nicht. Die Fünfziger sind das Jahrzehnt der größten Massendemonstrationen der Nachkriegsgeschichte. Insbesondere die Wiederbewaffnung und Atomwaffen waren sehr umstritten. Und in den Fünfzigern konnte Jürgen Grasmück die beginnende deutsche SF und ihre amerikanischen Vorbilder entdecken, die seine Arbeit nachhaltig beeinflusste...
 
Zurück insJahr 1940, zum 23. Januar:
 
Was den (beginnenden) Weltkrieg angeht, war an Land zwar Ruhe, aber die "Grauen Wölfe" (sprich U-Boote) von Adniral von Dönitz konnten ein paar Erfolge verbuchen. Unter anderem versenkten U56 den finnischen Dampfers Onto mit 1.333 BRT (Der Dampfer wurde durch einen Minentreffer versenkt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Zeebrügge zum Tyne. Es gab keine Verluste) und U18 auf seiner fünften Feindfahrt den dänischen Dampfers Bisp mit 1.000 BRT (Der Dampfer wurde mit einem G7e-Torpedo versenkt. Die Bisp lief am 20. Januar 1940 von Sunderland nach Andalsnes aus und galt seitdem als verschollen).
 
U41 versenkte nichts. Es lief am 23. Januar 1940 aus Wilhelmshaven aus, um am 24. Januar Helgoland zu Instandsetzungsarbeiten zu erreichen.

Die Verwaltung arbeitete wie gewohnt, denn auch in Kriegszeiten muss ein Land verwaltet werden.  Das ist unabdingbar. Eher steigt die Verwaltungsaufwand noch. Bezugskarten müssen hergestellt, verteilt und überprüft werden.
 
So wurde am 23. Januar 1940  im Reichsgesetzblatt (RGBl. I. S. 232)  die Verordnung über die Verlängerung der Sommerzeit in Kraft gesetzt. Damit konnte man mit weniger Strom im Sommer länger arbeiten, um Kriegswichtiges zu erzeugen.

Dann gab es an jenem Dienstag im Januar einen Runderlass des Reichswirtschaftsministers betreffend "Einsatz des jüdischen Vermögens", 23. Januar 1940. Irgendwo musste ja das Geld herkommen, um den ganzen Wahnsinn zu bezahlen. Zudem traf die Juden ein - im Vergleich zu dem was in Lagern wie Auschwitz noch folgen sollte - ein harmloser Erlass, der aber nichtsdestotrotz die Menschenverachtung des Dritten Reichs und seines Führers Adolf Hitler zum Ausdruck brachte.  So hieß es:
Juden erhalten keine Reichskleiderkarte. An Juden sind grundsätzlich keine Bezugsscheine für Textilien, Schuhe und Sohlenmaterial abzugeben. Die Versorgung der Juden mit Kleidung soll durch die Reichsvereinigung bzw. durch den Erwerb von bezugsscheinfreien Altwaren erfolgen. Nur in Ausnahmefällen können Juden, die körperliche Arbeit leisten, Bezugsscheine für Kleidung erhalten.
Am 23. Januar 1940 wurde das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten eingeführt. Dafür waren die Fürsorgebehörden und das Gesundheitsamt zuständig. Insbesondere unvorsichtige Soldaten, die sich Prostituierten zuwandten, standen dabei im Visier der Behörden.

Die Polen versuchten den Widerstand aufrecht zu erhalten, um nicht wie üblich in solchen Kriegen von der Landkarte getilgt zu werden. Um die Interessen Polens zu vertreten, wurde Ignacy Paderewski, ehemaliger polnischer Ministerpräsident und Außenminister,  in Paris zum Sprecher des polnischen Staatsrats im Exil gewählt.
 
Im Alter von  68 Jahren verstirbt in Bern der schweizerische Politiker Giuseppe Motta. 1924 war der katholisch-konservative Motta Völkerbundpräsident. Fünfmal bekleidete er das Amt des Bundespräsidenten.
 
Zu Jürgen Grasmücks ganz persönlichem Glück (das ist weniger zynisch als man auf den ersten Blick meinen möchte) brach sein Muskelschwund erst in einem Alter aus, da das Dritte Reich der Vergangenheit angehörte. Das Euthanasieprogramm der Nazis lief im Januar 1940 auf Hochtouren. So sollte "lebensunwertes Leben" im Sinne dieser Ideologie "ausgemerzt werden". Jürgen Grasmücks Krankheit fiel unter diese Kategorie. Männer wie Galen und von Bodelschwingh stellten sich dem entgegen, so dass das Programm gestoppt wurde. Im Falle eines Endsieges wäre das Programm wohl verstärkt wieder aufgenommen worden.
 
Zusammen mit Jürgen Grasmück wurde an diesem 23. Januar 1940 unter anderem auch Armin Maiwald geboren, der in der Sendung mit der Maus, Kindern und Erwachsenen die Welt verständlich erklärt. Des Weiteren Werner Krämer, Spieler beim Meidericher SV (heute MSV Duisburg), dem HSV und VfL Bochum und der Deutschen Fußballnationalelf sowie der 2001 gestorbene US-amerikanische Country-Musiker und Songwriter Johnny Russell.

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