Barnes, Jonathan - Das Königshaus der Monster
Das Königshaus der Monster
The Domino Men
Das Buch ist packend, langweilig, verwirrend, eklig, abstrus, Horror, Krimi, Fantasy ... alles in einem - oder so ...
Henry Lamb, der in der Ich-Form erzählt, beginnt mit einem Prolog, in dem bereits angedeutet wird, dass es in dem Buch um mehr geht als ein "nettes kleines Buch". Da geschieht bereits ein Ritualopfer, begleitet von Kerzen, Symbolen auf dem Boden und einem Messer mit scharfer Klinge.
Was das mit Henry Lamb zu tun hat? Bis auf die Tatsache, dass es sich bei den Räumen um die Wohnung handelt, in der er Jahre später wohnen wird, dass der Mann, der das Opfer durchführt ... (aber ich greife der Sache vor) ... jede Menge.
Eigentlich heißt Henry Lamb nicht ohne Grund Lamb - Schaf. Er ist ein Schäfchen, mit einem langweiligen Leben, einer dysfunktionalen Familie, keinem Liebesleben, keinerlei Karriereaussichten. Seine bisher größte Leistung besteht in einer dümmlichen Rolle in einer langweiligen Serie, bei der er als Kind mitspielte.
Der Horror, der sich im Prolog andeutet, bricht in Henrys Leben ein, als sein Großvater unvermittelt ins Krankenhaus eingeliefert wird, ein mysteriöser Behördenmitarbeiter an Henrys Dienststelle auftaucht und Henry mit einem Mal für "das Direktorium" zwangsverpflichtet wird.
Bei dem Direktorium handelt es sich um eine unglaublich geheime Behörde des englischen Staates, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die unschuldigen Leben der unschuldigen Menschen zu schützen. Bereits im ersten Buch von Jonathan Barnes hat das Direktorium eine wichtige Rolle gespielt und ist für jene, die Edward Moon kennen gelernt haben, nichts völlig Neues. Für mich war es dies.
Die Coverillustration lässt wenig Platz für Rätsel ob der Ähnlichkeit der dämonenähnlichen Gestalt. Das Cover der englischen Ausgabe ist da weniger "windsorlike". Allerdings stimmt es nicht ganz ... nicht Arthur, der designierte König ist der Dämon mit den langen Ohren. Das ist nicht das englische Königshaus, sondern ...
Genau da beginnt das große Verwirrspiel des Buches, das es spannend, irritierend und verwirrend macht. Erzählt Henry Lamb eigentlich die Wahrheit? Wer lügt? Wer oder was ist Leviathan wirklich?
Ich bin sehr gespalten was meine Meinung zu diesem Buch angeht. Als dezidierter Nichtfan von Gewalt war ich stellenweise erschrocken von der im Buch dargestellten Gewalt, sei sie physisch oder psychisch. An diesem Punkt stolpere ich immer wieder über die Frage "was ist Horror" - passend gerade die Diskussion um den Begriff des Horror zum Leitartikel. Allerdings gelingt es Barnes, die Gewalt nicht unendlich auszuwalzen. Er schildert sie in unterschiedlichen Formen (z.B. mal berichtend, mal als etwas, das der Erzähler lieber für sich behält, mal eher konkret und deutlich). Allenfalls an ein oder zwei Stellen hatte ich den Eindruck, dass der Autor es etwas übertrieben hatte.
Als es dann auf den großen Showdown zugeht, Leviathans Anhänger extatisch an irgendwelchen Tentakeln ... (*zensiert*) und es Henry gelingt in Leviathans Büro zu gelangen, kippt Barnes meiner Ansicht nach ziemlich in den Versuch, bei der Geschichte nochmal "einen nachzulegen". Es wird meiner Ansicht nach reichlich abstrus. Der gesamte Roman lebt von Absurditäten und Abstrusem, hier allerdings verliert dies für die Auflösung mächtig an Qualität.
Hier ist es gut, dass er sich zum Ende hin nochmal fängt und es ihm gelingt, die Geschichte zu schließen und dabei gleichzeitig mehr offene als beantwortete Fragen zu hinterlassen.
Kommentare
Nun ja, der ist jetzt immerhin als TB erhältlich. Wer weiß, vielleicht besorg ich ihn mir dann mal ...
Der Schreibstil ist nicht schlecht, so macht es durchaus Spaß, es zu lesen und als ich erst einmal eingetaucht bin, las es sich im Großen und Ganzen auch ganz gut.
Die Handlung ist ungewöhnlich, wirkt aber etwas wie der "Overkill".