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Kalle in der Bücherei-Schachtel an Gleis 1

Hörspiel-MemoriesKalle aus der Bücherei-Schachtel von Gleis 1
Hörspiel-Erinnerungen

Wenn Hörspiele Bestandteil der Jugend waren, dann bleiben hin und wieder auch Erinnerungen hängen. Persönliche Erlebnisse, die man mit dem Hörspielhören verbindet. Ich habe die meisten Erinnerungen an die Gruselklassiker und Krimis. Die Dinger habe ich mehrmals rauf und runter gehört im zarten Alter von 12, 13 und 14 Jahren. Die Faszination wurde nie ganz gebrochen - lies aber im Laufe der Jahre nach.


Noch heute sind es zumindest Erinnerungen. Erinnerungen der lustigen und witzigen Art und zum Teil auch mit nachdenklicher Note.

So trug es es ich zu: In den ganz frühen 80er Jahren war es geradezu schwer an neue Hörspiele heranzukommen. Karl May war meistens schon abgegrast und sonst interessierte nichts. Dabei war ich in einer Zeit stetig auf der Suche nach Hörspielen. Mir hatte es damals der Abenteuer-Vierteiler "Der Seewolf" angetan. Und ich war auf der Suche nach der literarischen Vorlage von Jack London. Doch in der großen Stadtbücherei war diese ausgerechnet vergriffen. Aber ich stieß auf einen Hinweis zu einem Hörspiel. Das interessierte mich sehr. Fortan war ich von dem Gedanken beseelt dieses Hörspiel zu finden. Finden musste. Ich erinnerte mich an den Freund meiner Mutter, einen Spanier. Dieser hatte einen Job bei der Bahn. Von Zeit zu Zeit besuchten wir ihn in der Kantine der Bahnbediensteten und ihren Angehörigen. Man aß dann gemeinsam zum Mittag.

Er erzählte mir damals von einer kleinen Schulkinderbücherei, die sich direkt auf dem Bahnsteig von Gleis 1 befand. Bald suchte ich diese auf. Es war nur ein kleiner Raum. Zwischen den Regalen fand ich nach einer aufreibenden Suche auch mehrere Schachteln mit Hörspiel-Kassetten. Es waren schuhkarton-ähnliche Schachteln.  Darin fand sich allerhand "Kinderkacke" wie ich damals schon fand. "Biene Maja", "Heidi" und Märchenklassiker in verschiedenen Ausführungen. Aber eben auch den "Seewolf". Ein Hörspiel von Kurt Vethake. Wie ich Jahre später erfuhr ein Veteran seiner Zunft als Regisseur von Hörspielen. Dort fand ich dann auch Kalle Blomquist. Ein Meisterdetektiv, der von Astrid Lindgren geschaffen wurde und auch schon mal richtige Mordfälle lösen durfte. Also weit ab von den "fünf Freunden" und sogar den "Drei???". Kalle war als Hörspiel fast so gut wie im Film.

Enttäuscht war ich vom Seewolf dann doch. Denn der "Seewolf" war als Kassette nicht nur ziemlich abgegriffen, sondern inhaltlich weit entfernt vom Fernsehfilm, aber sehr viel näher am Original-Roman, wie ich später erfahren musste. 

Die besagte Bücherei habe ich später nur noch ein bis zweimal aufgesucht. Mich zog es dann etwas später eher in die Bahnhofsmission. Dort konnte man mit Schulfreunden Karten zocken und Tee für 2 Pfennige trinken. Mit 20 Pfenning war man da Krösus und genoß die Nachmittage. Doch wenig später, als der Tee doppelt so teuer wurde, rückte das Hörspiel wieder mehr in mein Blickfeld.

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