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...Rebecca Cantrell über ihr Romandebüt, Hannah Vogel, Evangelium des Blutes und Joe Tesla

Rebecca Cantrell... Rebecca Cantrell ...
... über ihr Romandebüt, Hannah Vogel, Evangelium des Blutes und Joe Tesla...

to the English versionDurch den Roman "Das Evangelium des Blutes" stieß ich während meiner Recherchen im Internet auf  die Seite der Autorin Rebecca Cantrell.

Daraufhin  nahm ich Kontakt zu der Autorin auf, aus dem nachfolgendes Interview entstand, das ich den Lesern des Zauberspiegel nicht vorenthalten möchte...

Rebecca CantrellZauberspiegel: Rebecca, Du hast in den 1980er Jahren einige Zeit in Berlin verbracht. Wie kam es dazu?
Rebecca Cantrell: Ich war Austauschschülerin eines Programms des Kongresses und des Bundestages. Ich habe ein halbes Jahr in einer kleinen Stadt namens Herdecke im früheren Westdeutschland gelebt, danach ein halbes Jahr in Berlin. Für ein zweites Jahr kam ich nach Berlin zurück und machte einen Abschluss an der John F. Kenney - Schule.

Zauberspiegel: Einige Zeit später hast Du in Berlin und  Göttingen studiert. Welche Studienfächer hast Du denn dort belegt?
Rebecca Cantrell: Politikwissenschaft und Deutsche Literatur.

Zauberspiegel: Ich habe gelesen, dass Du Deinen Job als technische Redakteurin gekündigt hast, danach nach Hawaii gezogen bist, um dort Deinen Debüt-Roman zu schreiben. Stimmt das?
Rebecca Cantrell: Ja, obwohl ich später wieder als Redakteurin gearbeitet habe.

Rebecca CantrellZauberspiegel: 2009 gabst Du mit dem Roman "A TRACE OF SMOKE" Dein Debüt als Romanautorin? Wovon handelt das Buch?
Rebecca Cantrell: "A TRACE OF SMOKE" handelt von einer Kriminalreporterin (Hannah Vogel) und ihrer Suche nach dem Mörder ihres Bruders durch die Straßen Berlins von 1931.

Zauberspiegel: Dein Debütroman gewann den "Sue Feder Memorial Historical Mystery Award" sowie den "Bruce Alexander Memorial Historical Mystery Award". Wie war es, als Du diese Preis 'verliehen' bekommen hast?
Rebecca Cantrell: Es war eine riesige Ehre nominiert zu werden, und ich war sehr überrascht darüber, gegen so viele wunderbare Bücher zu gewonnen.

Zauberspiegel: Wie muss sich der Laie das vorstellen. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Verlag Forge? Hast Du Dich ganz 'klassisch' mit Deinem Romanmanuskript bei dem Verlag beworben?
Rebecca Cantrell: Ich habe auf der Maui Writers Konferenz Kontakt mit verschiedenen Agenten aufgenommen und bei Kimberley Cameron and Associates unterschrieben. Meine Agentin, Elizabeth Evans, schickte das Buch an verschiedene Verlage. Es dauerte neun Monate bis Forge zusagte.

Zauberspiegel: Wie kamst Du auf die Idee zu dem Buch?
Rebecca Cantrell: Während meines Aufenthalts in Berlin in 1980er Jahren unternahm ich einen Ausflug nach Dachau und sah dort an der Wand ein verblichenes rosafarbenes Dreieck. Der Sohn meiner Gastfamilie war schwul, und mir wurde klar, dass man ihn dorthin geschickt hätte, hätte er 50 Jahre früher gelebt. Das brachte mich dazu zu dem Thema zu recherchieren, und dann zu einem Buch, das im Schwulenmilieu des Berlins der Weimarer Zeit spielte.

Zauberspiegel: War von vorneherein eine Kriminalreporterin als Protagonistin geplant?
Rebecca Cantrell: Zu Beginn dachte ich darüber nach, aus ihr einen Polizisten zu machen, änderte es dann jedoch zur Schwester des Opfers, da ich wollte, dass sie emotional starker mit dem Mordopfer verbunden ist.

Zauberspiegel: Warum die Zeit der 1930er Jahre und Berlin als Handlungsort? Hast Du ein Faible für die 1930er Jahre bzw. für die Weimarer Zeit?
Rebecca Cantrell: Es war eine faszinierende Zeit – so viel Licht und Leben und Energie und Dekadenz, die so bald zerstört werden würde.

Zauberspiegel: Wir würdest Du die Protagonistin Hannah Vogel beschreiben?
Rebecca Cantrell: Sie ist mitfühlend, intelligent und tut das Beste, was sie kann, um die zu beschützen, die sie liebt. Sie arbeitet hart um die Geschichten zu erzählen, von denen andere sich abwenden.

Zauberspiegel: Was unterscheidet Deine Romane mit Hannah Vogel von den üblichen Romanen  des Genres?
Rebecca Cantrell: Das ist eine schwere Frage. Ich habe daran gearbeitet, ein spürbare Gefühl für den Ort und die Zeit zu vermitteln, und ich hoffe, diese Recherchen kommen auch durch. Ebenso eine starke Heldin zu haben, die von ihrem Verstand und ihrem Humor lebt.

Rebecca CantrellZauberspiegel: 2012 erschien mit "A City of Broken Glass" der bisher letzte Roman mit Hannah Vogel. Ist die Serie damit abgeschlossen oder werden irgendwann weitere Abenteuer mit der Reporterin erscheinen?
Rebecca Cantrell: Nachdem es einige Dinge beim Lektorat zu klären gab, wird es bald ein neues Buch um Hannah Vogel geben. Ich habe noch kein Erscheinungsdatum, aber ich weiß, dass es ein neues geben wird.

Zauberspiegel: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Autor James Rollins für die Erin-Granger-Trilogie, die aus den Büchern "Das Evangelium des Blutes", "Das Blut des Verräters" und "Die Apokalypse des Blutes" besteht?
Rebecca Cantrell: Ich habe ihn auf einer Konferenz für Schriftsteller auf Maui getroffen, kurz nachdem A Trace of Smoke für eine Veröffentlichung angenommen worden war. Er hielt einen Kurs über Thriller ab, an dem ich teilnahm, und er erklärte sich freundlicherweise dazu bereit, einen Klappentext für mein Buch zu schreiben.
Wir blieben danach in Kontakt, und als er an einem Vampirbuch arbeiten wollte, kontaktierte er mich deswegen.

Zauberspiegel: Wovon handelt die Buchtrilogie?
Rebecca Cantrell: Es geht um Dr. Erin Granger, eine Archäologin, die in eine mysteriöse Quest hineingezogen wird um die Welt vor bösen übernatürlichen Kräften zu retten.

Rebecca CantrellZauberspiegel: In "Das Evangelium des Blutes" spielten Vampire eine große Rolle. Mit was für Wesen und Gegnern bekommt es denn Erin Granger in beiden Fortsetzungen "Das Blut des Verräters" und "Die Apokalypse des Blutes" zu tun?
Rebecca Cantrell: Alle möglichen! Rollins und ich hatten großen Spaß dabei, sie uns auszudenken – Vampire, genannt Strigoi, Tiere, die mit Strigoiblut verflucht wurden, Vampire, die ihren Blutdurst kontrollieren können, indem sie das Blut Christi trinken, ein Kind mit Engelsblut und viele mehr!

Zauberspiegel: Wie muss sich der Laie das vorstellen. Wie sieht so eine Zusammenarbeit beim Schreiben einer Buchtrilogie zwischen zwei Autoren aus. Schreiben die Autoren abwechselnd an einem Roman, schreiben sie bestimmte Kapitel oder bestimmte Teile eines Buches?
Rebecca Cantrell: Wir haben das Entwurf gemeinsam gemacht, einzelne Szenen geschrieben und sie gemeinsam überarbeitet. Wir setzten uns Montags über Skye zusammen, um gemeinsam die Seiten zu bearbeiten – er war dabei entweder in Kalifornien oder in Nevada, ich in Hawaii oder Berlin.

Rebecca CantrellZauberspiegel: Stichwort "Joe Tesla". Deine zweite Buchserie beschreibt die Abenteuer des  Software-Multimillionärs Tesla,  der wegen seiner Platzangst in den Tunneln von New York City lebt. Wie kamst Du auf die Idee dazu?
Rebecca Cantrell: Während der Zeit in Berlin wuchs in mir die Faszination für die U-Bahn und die Strecken dazwischen, die wir jeden Tag durchqueren. Was, wenn meine Dazwischen-Welt die Alltagswelt von jemand anderem wäre?
Ich schrieb eine Version, in der Joe in Berlin unter dem Potsdamer Platz (Die Welt unter Berlin) lebt. Dieses Buch wurde ins Deutsche übersetzt. Und es gibt eine amerikanische Version, in der er in New York lebt.

Zauberspiegel: Ist der Protagonist der Buch-Serie in irgendeiner Weise mit Nikola Tesla verwandt?
Rebecca Cantrell: Er glaubt, er sei der Urgroßneffe von Nikola Tesla.

Zauberspiegel: Der erste Tesla-Roman "The World Beneath" erschien 2013 als ebook und gewann den "International Thriller Writers Award". Worum geht es in dem Roman?
Rebecca Cantrell: Joe Tesla hat Platzangst und kann nicht ins Freie gehen. Es endet damit, dass er in in einem Haus in den Tunneln der U-Bahn unter New York lebt, das in einem künstlich angelegten Hohlraum steht. Dort lebt er zusammen mit seinem Hund, der eine Art “Blindenhund für psychatrisch Erkrankte” ist.
Eines Tages, sie sind gerade außerhab der Tunnel unterwegs, treffen sie einen Mann, der in den Präsidentenwaggon von Franklin Delano Roosevelt einbricht. Diesen Waggon gibt es übrigens tatsächlich und rostet in einem Tunnel unter New York vor sich hin. In diesem Zug entdeckt er ein Geheimnis, das seine Wurzeln in einer Erkrankung aus dem zweiten Weltkrieg hat.


Zauberspiegel: Nach "The Tesla Legacy" (2015) und "The Chemistry of Death", erschien im Jahr 2017 mit "The Steel Shark" der vierte Tesla-Roman. Kannst Du den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas zum Inhalt des Buches verraten?
Rebecca Cantrell: In "THE STEEL SHARK" hat Joe Tesla herausgefunden, dass er sich unter Wasser ebenso wie unter der Erde aufhalten kann. Dies verwickelt ihn in einen Plan, große Zerstörung mittels eines entführten Unterseebootes zu erreichen.

Zauberspiegel: Was ist die Joe-Tesla-Serie genau? Eine Krimi-, Thriller- oder Mystery-Serie? Oder doch was ganz anderes?
Rebecca Cantrell: Eine Thriller-Serie.

Zauberspiegel: Sind weitere Romane mit Joe Tesla geplant?
Rebecca Cantrell: Ja. Joe und der Hund seines Vertrauens, Edison, stehen noch weitere Abenteuer bevor.

Rebecca CantrellZauberspiegel: 2015  erschien mit "A ist for Actress" der erste Roman der Sofia-Salgado-Serie. Wovon handelt sie?
Rebecca Cantrell: "This Dies" ist eine humorvolle, leichte Comedy Reihe. Sofia Salgado ist ein früherer Kinderstar, der einen Detektiv im Fernsehen spielte, und jetzt im echten Leben einer sein will.

Zauberspiegel: Diese Buchserie schreibst Du zusammen mit Sean Black. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Autor?
Rebecca Cantrell: Ich habe Sean in New York getroffen, also unsere ersten Bücher erschienen, und wir blieben über die Jahre hinweg in Kontakt. Wir begannen damit uns Ideen über diese verrükte Privatdetektivin zuzuwerfen, et voila.

Zauberspiegel: Wer kam auf die Idee zu dieser Buch-Serie. Du oder der Autor Sean Black?
Rebecca Cantrell: Sean Black.

Zauberspiegel: 2016 erschient mit "D is for Drunk" der vierte Roman der Reihe. Wird die Buchserie bis zum Buchstaben "Z" noch fortgesetzt?
Rebecca Cantrell: Ich hoffe, wir schaffen es bis zum Buchstaben Z! E steht für Exposed, das in diesem Jahr erscheinen wird, gefolgt von F für Fred in einigen Monaten. Dann kommt G für Groovy, auch in diesem Jahr.

Zauberspiegel: Wie ich gelesen haben, schreibst Du auch Drehbücher. Darunter auch "The Humanitarian", "A Taste for Blood" und " iDrakula", die Du beim Shriekfest eingereicht hast. Wovon handeln diese Drehbücher?
Rebecca Cantrell: Seltsamerweise sind sie alle Vampirfilme. "The Humanitarian" und "A Taste for Blood" sind zwei Versionen von Geschichten über einen Vampir, der in Hawaii lebt und darum kämpft sein Schicksal zu verändern. "iDrakula" beruht auf einer Geschichte, die ich unter dem Pseudonym Bekka Black geschrieben habe.
Es war der erste Handyroman in den USA und auch eine App für das iPhone. Es erzählt die Geschichte von Bram Stokers Drakula nach, nur mit den Mitteln, die auf dem Handy findet – Textnachrichten, Email, Websuchen und Voicemails. Das Skript bezieht auch die Handys von Kinogängern in die Erfahrung des Kinobesuches mit ein.
Der zweite Teil der Serie heißt "iFrankenstein". Es geht darin um einen Teenager, der zuhause unterrichtet wird und eine künstliche Intelligenz erschafft, mit einem Hunger nach Energie.

Zauberspiegel: "The Humanitarian", "A Taste for Blood" und " iDrakula", kamen bis ins Finale beim "Shriekfest: The Los Angeles Horror/Sci-fi Film Festival". Was genau ist dieses "Shriekfest" eigentlich?
Rebecca Cantrell: Es ist ein Festival für Horrorfilme, das jedes Jahr jeweils an einem Wochenende in Los Angeles und an einem Wochenende in Florida stattfindet. Dort zeigt man unabhängige Produktionen von Horrorfilmen und -theaterstücken.

Zauberspiegel: Du erwähntest in einem Interview literarische Vorbilder wie Stephen King, Shirley Jackson, Anne Rice, Michael Crichton und Lee Child.
Inwieweit haben Dich die Werke dieser Autoren bei Deinen Romanen bzw. bei der Auswahl der Themen für Deine Bücher beeinflusst?
Rebecca Cantrell: Ich lese viel, habe dies immer schon. Ich liebe die Furcht, die bei Shirley Jackson erzeugt. Stephen Kings Horror und Angst. Anne Rices Gothic Schönheit, verflochten mit Horror. Michael Crichtons fantastische Wissenschaftsplots. Lee Childs Tempo. Und die wunderbaren Stil und Sprache von jedem.

Zauberspiegel: Dein erstes Buch, das Du auf Deutsch gelesen hast, war "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende. Was fandest Du damals so faszinierend an dem Roman?
Rebecca Cantrell: Das Gefühl von Rhythmus und die fantastische Natur des Buches. Die Welt von Bastian und die Welt Nichts. Ich liebe es, wie die Kapitel abwechselnd in rot und grün gedruckt waren. Und der üppige Gebrauch der Sprache sorgte dafür, dass ich jede Woche mehr Vokabeln konnte!

Zauberspiegel: Juckt es Dich nicht in den Fingern auch mal einen Fantasy-Roman zu schreiben?
Rebecca Cantrell: Ja, das tut es. iDrakula und iFrankenstein waren Science Fiction, und die Teslabücer gehen auch in diese Richtung, ich habe aber auch schon an einigen Science Fiction und Fantasy-Kurzgeschichten gearbeitet. Ich arbeite gerade auch an einem Drehbuch mit einem in Hollywood ziemlich bekannten Drehbuchautoren, das in die Science Fiction Richtung geht.

Zauberspiegel: An welchen Buchprojekten scheibst Du zur Zeit? Kannst Du uns darüber schon etwas verraten?
Rebecca Cantrell: Ich arbeite an diesem geheimen Science Fiction Drehbuch und an F ist für Fred mit Sofia Salgado, einigen Kurzgeschichten und bereite mich auf die Recherchen für den nächsten Hannah Vogel-Roman vor, wenn ich im Sommer diesen Jahres in Berlin bin.

Zauberspiegel: Rebecca, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.
Rebecca Cantrell: Danke dir!

Ingo Löchel

 

Die Fragen für den Zauberspiegel stellte Ingo Löchel

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