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... Karl-Ulrich Burgdorf über das Comeback 2013 und »Raven«

Die phantastischen Welten des Karl-Ulrich Burgdorf... Karl-Ulrich Burgdorf ...
... über das Comeback 2013 und »Raven«

Dieses Interview entstand im Rahmen der Reihe »Die phantastischen Welten des Karl-Ulrich Burgdorf«, um Hintergründe zu beleuchten.

Weitere Gespräche folgen. Auf Karl-Ulrich Burgdorfs Internetseite  gibt es viel zu entdecken: Eine Biografie (kurz und lang), eine aufgegliederte Bibliografie, aber auch Kurzgeschichten, Kurzfilm-Drehbücher und zwei Kurz-Hörbücher und noch einiges mehr.

Im Zuge meiner Lesereise hat Karl-Ulrich Burgdorf Fragen zu seinem Schriftsteller-Comeback und dem Fall »Raven« in einem 1. Interview beantwortet.

Das Interview wurde per Email im Januar 2019 geführt.

Die phantastischen Welten des Karl-Ulrich BurgdorfVorab zum Interview und der Lesereise an sich:
In der Rubrik »Bibliografie« seiner Homepage wendet sich Karl-Ulrich Burgdorf mit folgender Bitte an die Leser:

»Insofern wäre ich für jede zusätzliche Information dankbar, die mir dabei hilft, die Bibliografie zu vervollständigen. Besonders interessiert bin ich dabei auch an Rezensionen zu einzelnen von mir verfaßten oder übersetzten Werken sowie an Hinweisen auf Internet-Einträge«

Daraufhin sandte ich ihm den Link der »Sarym-Zyklus-Besprechung« der »Terranauten«-Serie.

Bereits in der nächsten Email an Herrn Burgdorf stellte ich, bekennender und kritischer »Terranauten-Fan«, eine Interviewanfrage. Als sehr schnell die Rückmeldung kam, dass er gerne für das Interview zur Verfügung stehe, las ich mich intensiver auf seiner Homepage ein – und musste mit Erschrecken feststellen, dass mit den Rubriken »Aktuelles«, »Biografie«, »Bibliografie«, »Neue Bücher« und »Zum Stöbern« viele Themen bereits sehr ausführlich, ja – fast abschließend, behandelt werden.

Für das geplante Interview gab es also nur eine Lösung: Sich von den fast 40jährigen »Terranauten« als alleinigen Fragenschwerpunkt trennen, die älteren SF-Werke neu lesen, neue Bücher in die Sammlung hinzufügen und ebenfalls lesen – und eine Perspektive finden, die dem interessierten Leser eine andere Sichtweise bietet als die bereits existierende vielseitige Homepage, so dass tiefer gehende Fragen gestellt werden können und dennoch nachvollziehbar bleiben.

Die Idee, der Lesereise war geboren.

Nun denn, hier also das 1. Interview der Lesereise.
 
Zauberspiegel:  2013 erfolgte nach 1996/97 bereits Ihr 2. Comeback als Autor.
Ebenfalls in 2013 haben Sie erfahren, dass während dieser Auszeit Ihre »Raven«-Romane mehrfach neu aufgelegt wurden, ohne Sie als Autor zu nennen: als Hardcover bei Weltbild (mit immerhin 6 Auflagen), Paperback bei Bastei-Lübbe und sogar als Hörbuch.
Wie sehr bremst so eine Entdeckung die gerade wieder gewonnene Freude am Schreiben?
Karl-Ulrich Burgdorf: Glücklicherweise hat mich das überhaupt nicht gebremst. Ganz im Gegenteil: Da es mir gelungen ist, meinen Zorn in Energie zu verwandeln, hat es mich sogar beim Schreiben beflügelt.
Eines an Ihrer Frage muß ich übrigens unbedingt korrigieren: Die dreibändige Hardcover-Ausgabe bei Weltbild ist mit der Angabe »Wolfgang Hohlbeins Raven« erschienen – man beachte das kleine »s« hinter dem Namen –, was durchaus zutreffend ist, da er die Figur »Raven« schließlich erfunden hat. Innendrin gab es dann aber ein Inhaltsverzeichnis, in dem die Autoren der Bände korrekt aufgeführt wurden. Anders beim Paperback »Schattenchronik« und dem parallel dazu erschienenen 6-CD-Hörbuch: Dort war fälschlicherweise Wolfgang Hohlbein als Alleinautor angegeben, obwohl viereinhalb der darin enthaltenen sechs Romane von mir stammten. Details dazu finden sich auf meiner Internetseite www.karl-ulrich-burgdorf.de in der Rubrik »Aktuelles« und dort unter dem Punkt »Der Fall Raven«.

Zauberspiegel:  Sie haben von der Existenz des Paperbacks und des Hörbuchs erst erfahren, als beides schon lange im Handel war? Folglich für das Taschenbuch auch kein Honorar  erhalten?
Karl-Ulrich Burgdorf: Genau.

Zauberspiegel:  Die folgenden Rechtsstreitigkeiten haben sich über mehrere Monate bzw. Jahre gezogen: Weswegen so lange?
Karl-Ulrich Burgdorf: Haben Sie schon einmal eine juristische Auseinandersetzung geführt? Zuerst nimmt man sich einen Anwalt – in meinem Fall war das eine renommiertes Düsseldorfer Anwaltskanzlei, die sich unter anderem auf Copyright-Verletzungen spezialisiert hatte –, dann nimmt sich die Gegenseite auch einen, und anschließend beginnt ein endloser Papierkrieg, der in diesem Fall noch zusätzlich dadurch kompliziert wurde, daß es gleich zwei Gegenseiten gab, die jeweils ein eigenes Anwaltsbüro beauftragt hatten, nämlich Bastei Lübbe und Wolfgang Hohlbein. Am Ende füllte der Briefwechsel zwischen diesen drei Anwälten locker einen dicken Aktenordner.
Nach einem Jahr erklärte sich Bastei Lübbe endlich mit einem für mich sehr zufriedenstellenden Vergleich einverstanden. Neben dem mir ohnehin zustehenden Honorar erhielt ich den gleichen Betrag noch einmal als Ersatz für den immateriellen Schaden, der mir entstanden war, da eine Veröffentlichung auch unter meinem Namen meine Bekanntheit ja außerordentlich gesteigert hätte. Außerdem gab mir Bastei die Rechte an sämtlichen Romanen zurück, die ich je für den Verlag geschrieben hatte.
Anschließend mußten wir uns noch mit Wolfgang Hohlbein und seinem Anwalt auseinandersetzen, was noch einmal fast ein Jahr dauerte. In dem Vergleich, den wir hier schlossen, ging es nicht um Geld, sondern um einen Schadenersatz in Form der Rückübertragung von Rechten an einer Reihe von Romanexposés, die ich Wolfgang Hohlbein vor vielen Jahren verkauft hatte, ohne daß er diese jemals genutzt hätte. Eines dieser Exposés habe ich inzwischen in veränderter Form als Grundlage meiner Erzählung »Der Frevel des Waka-teh« für den Karl-May-Verlag benutzt.

Zauberspiegel:  Konnte der Fall abschließend auch auf der persönlichen Ebene geklärt werden?
Karl-Ulrich Burgdorf: Während der Dauer der juristischen Auseinandersetzung hatte ich keinen persönlichen Kontakt mit Wolfgang Hohlbein, und danach auch nicht. Durch seinen Anwalt hat er mir immerhin sein »Bedauern« übermitteln lassen – was in einem solchen Fall wohl die übliche Minimalfloskel ist. Eine »persönliche Ebene« zwischen Wolfgang Hohlbein und mir existiert nicht mehr.

Zauberspiegel:  Für »Raven« haben Sie laut Ihrem Internetauftritt noch verschiedene Romananfänge und sogar ein umfangreiches Exposé für einen weiteren Roman geschrieben. Sollte nach diesem Exposé der 12. Band der eigenständigen »Raven«-Heftserie (2004 bei Bastei) entstehen; hätte es also bereits 2004 ein Comeback geben können?
Wenn ja: Woran scheiterte dies bzw. weswegen wurde der abschließende »Raven« von Frank Rehfeld geschrieben?
Karl-Ulrich Burgdorf: Als Bastei sich entschloß, die »Raven«-Serie neu aufzulegen, rief mich der zuständige Redakteur an und bat mich, mich wegen eines neu zu schreibenden 12. Bandes mit Wolfgang Hohlbein, mit dem ich da schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, in Verbindung zu setzen. Also rief ich Wolfgang an, und wir diskutierten die Möglichkeiten für einen 12. Roman. Am Schluß unseres Telefonats forderte er mich auf, ein Exposé dafür zu schreiben und ihm zu schicken. Das tat ich.
Anschließend hörte ich lange nichts mehr von ihm. Da die Zeit allmählich knapp wurde, rief ich den Redakteur an und erkundigte mich, was denn nun mit dem Roman sei. Dabei erfuhr ich, daß Wolfgang Band 12 inzwischen zusammen mit Frank Rehfeld geschrieben habe. Wie der Redakteur die Tatsache meiner Nicht-Beteiligung dann später auf der Leser-Kontaktseite des Romans verkauft hat, ist an Peinlichkeit und Verlogenheit kaum zu überbieten. Tatsächlich entstand dadurch sogar der Eindruck, als sei Wolfgang aufgrund meiner Nicht-Beteiligung praktisch gezwungen gewesen, den kranken Frank Rehfeld aus dem Bett zu holen, damit dieser mit ihm den Band schriebe! Der Vollständigkeit halber sollte ich vielleicht noch hinzufügen, daß der Hohlbein/Rehfeld-Roman nicht das geringste mit meinem Exposé zu tun hat, obwohl das auf der schon erwähnten Leserkontaktseite ebenfalls behauptet wurde.

Zauberspiegel:  Die Autorenangabe zu den »Raven«-Romanen wurde mittlerweile korrigiert, dies  wird sowohl auf Ihrer Homepage wie auf der von Wolfgang Hohlbein dargestellt.
Karl-Ulrich Burgdorf: Ja, auch das war Teil des Vergleichs mit Wolfgang Hohlbein.

Zauberspiegel:  Doch wem gehören die Rechte an der Figur bzw. der Serie? Dürften Sie weitere Romane über »Raven« schreiben? Kann es rechtlich weitere Neuauflagen der Serie geben, oder ist das Tischtuch zwischen Wolfgang Hohlbein und Ihnen dauerhaft zerschnitten?
Karl-Ulrich Burgdorf: Die Rechte an der Figur »Raven« gehören natürlich Wolfgang Hohlbein; schließlich hat er sie seinerzeit entwickelt. Was ich mir durch den Vergleich mit Bastei Lübbe zurückgeholt habe, sind die Rechte an den vier von mir geschriebenen »Raven«-Romanen. Sollte ich sie wiederveröffentlichen, darf die Hauptperson nicht mehr »Raven« heißen, und ich muß auch auf die Verwendung aller anderen Figuren verzichten, die von Wolfgang Hohlbein stammen, also etwa auf Inspektor Card.
Neben den erwähnten vier Romanen gibt es noch einen fünften (»Das Stonehenge-Monster«), den Wolfgang Hohlbein und ich gemeinsam geschrieben haben. Genauer gesagt, habe ich ein altes, bereits von Bastei abgelehntes Manuskript von ihm damals grundlegend überarbeitet und einen Band der »Raven«-Serie daraus gemacht. Da sich mein Anteil und der Wolfgang Hohlbeins unmöglich auseinanderdividieren lassen, wird dieser Roman nicht wieder neu erscheinen können.
Eine Neuauflage der gesamten Serie wäre nur möglich, wenn Wolfgang Hohlbein und ich beide damit einverstanden wären, was aber schwer vorstellbar ist; außerdem würde Bastei Lübbe dieses heiße Eisen wohl kaum erneut anfassen wollen. Aber natürlich kann Wolfgang Hohlbein seine eigenen Romane in jeder ihm genehmen Form – also auch mit der Hauptperson »Raven« – neu herausbringen.

Zauberspiegel:  Zusammen mit Wolfgang Hohlbein haben Sie die Kurzgeschichte »Im Goldmann-Echtbuchladen«, den Jugendroman »Die Tiger von Vaultron« sowie »Das große Enwor-Rollenspielbuch« verfasst. Wie gestaltete sich diese Zusammenarbeit, das Schreiben eines gemeinsamen Werkes? In der Prä-Internet-Zeit stelle ich mir das gemeinsame Schreiben sehr schwierig vor.
Karl-Ulrich Burgdorf: Das war überraschenderweise sogar sehr einfach. Bei der Kurzgeschichte »Im Goldmann-Echtbuchladen« sind mir sozusagen auf halbem Weg die Ideen ausgegangen. Darum habe ich sie Wolfgang gezeigt, und der hat sie zu Ende geschrieben, wobei der schöne Schlußgag mit den herausrieselnden Buchstaben nicht von ihm, sondern von Heike Hohlbein stammt. Bei einer Lesung in Wien habe ich übrigens mal ein kleines Säckchen mit winzigen Papierschnipseln in mein Leseexemplar geklebt, so daß ich am Ende die Buchstaben tatsächlich herausrieseln lassen konnte!
Bei den »Tigern von Vaultron« hatte ich nach der ersten Hälfte des Romans eine totale Schreibblockade. Da der Abgabetermin nahte und nicht abzusehen war, wie lange die Blockade anhalten würde, hat Wolfgang Hohlbein den Roman auf der Grundlage meines ursprünglichen Exposés beendet.
Komplizierter war es beim »Enwor«-Rollenspielbuch »Die Insel der Sternenbestie«. Ich hatte ein Rohmanuskript erstellt, das aber nichts mit Wolfgangs »Enwor«-Zyklus zu tun hatte, sondern eher in so eine Art Indiana-Jones-Richtung ging. Dieses Manuskript lag lange bei Bastei Lübbe, ohne daß der Verlag etwas damit angefangen hätte. Als die Idee eines »Enwor«-Rollenspielbuchs für Goldmann aufkam, hat Wolfgang dieses Manuskript als Grundlage dafür benutzt. Als später die Druckfahnen vorlagen, habe ich anhand dieser noch eine Reihe von Ergänzungen und Korrekturen angebracht. Der Vorschuß, den Bastei Lübbe ursprünglich gezahlt hatte, mußte dann natürlich zurückerstattet werden.

Zauberspiegel:  Besteht eine Chance auf Neuauflage dieser Werke?
Karl-Ulrich Burgdorf: Im Rahmen des Vergleichs mit Wolfgang Hohlbein habe ich mir ausbedungen, »Im Goldmann-Echtbuchladen« neu veröffentlichen zu dürfen, wobei ich natürlich Wolfgang Hohlbein als Co-Autor angeführt hätte. Wolfgang hat aber darauf bestanden, in einem solchen Fall nicht mehr als Co-Autor genannt zu werden. Einer Wiederveröffentlichung steht also prinzipiell nichts im Wege, nur müßte ich die Geschichte womöglich etwas bearbeiten und vor allem auf den Verlag hin umschreiben, in dem sie dann erscheint.
Was »Die Tiger von Vaultron« betrifft, müssen sie Thomas Le Blanc fragen. Der Roman war ja Teil der von ihm konzipierten Jugendbuchserie »Sternenschiff der Abenteuer«, die Rechte dafür liegen folglich bei ihm. Bisher hat er jedenfalls noch keine Neigung zu einer Wiederveröffentlichung erkennen lassen.
»Die Insel der Sternenbestie« wird wohl nicht mehr erscheinen, denn wer interessiert sich heute, im Zeitalter der Computerspiele, noch für derartige Spielbücher?

Zauberspiegel:  In der 1. Phase Ihrer Schriftstellertätigkeit erschienen viele Romane unter Pseudonym (Arl Duncan, Harald Münzer, Henry Wolf); Ihre Exposé-Tätigkeit (»Die Terranauten« & »Der Hexer«) sowie die Co-Autorenschaft an einem Terranauten-Roman blieben gänzlich unerwähnt.
Karl-Ulrich Burgdorf: Das »Arl Duncan«-Pseudonym habe ich mir zugelegt, weil ich damals die Befürchtung hegte, als Heftromanautor bei anderen Verlagen schief angesehen zu werden, aber das hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Inzwischen ist die Grenze zwischen Hardcover-, Taschenbuch- und Heftausgaben sowieso viel durchlässiger geworden ist, und niemand schämt sich mehr dafür, Heftromane zu schreiben. Zu »Harald Münzer« wurde ich, weil der Bastei-Verlag von allen »Terranauten«-Autoren die Verwendung eines neuen Pseudonyms verlangte. Bei »Henry Wolf« war es wieder anders: Wolfgang Hohlbein hatte unter diesem Pseudonym bereits mehrere »Raven«-Romane geschrieben, und der damalige Lektor der Gespenster-Krimis, Michael Kubiak, war der Auffassung, daß es die Leser unnötig verwirren würde, wenn weitere »Raven«-Bände plötzlich unter einem anderen Pseudonym erschienen.
Was die »Terranauten« betrifft, so haben alle beteiligten Autoren ihre Exposés selber geschrieben, wofür es meiner Erinnerung nach ein zusätzliches Honorar von 100 DM gab. Vielleicht erklärt das auch, warum die Handlungsführung der Serie manchmal ein bißchen wirr war – jeder kochte halt ganz nach seinen persönlichen Vorlieben sein eigenes Handlungssüppchen.
Als ich aufgefordert wurde, bei den »Terranauten« mitzuschreiben, war ich gerade Redakteur bei der »Science Fiction Baustelle«, einem von Marcel Bieger und Heinz Mohlberg herausgegebenem semiprofessionellen SF-Magazin. Einer der anderen Redakteure war Andreas Brandhorst, der damals unter dem Pseudonym »Thomas Lockwood« schon mehrere Romane bei Zauberkreis veröffentlicht hatte. Es war nicht ganz einfach, ihn davon zu überzeugen, sich ebenfalls bei den »Terranauten« als Autor zu bewerben, aber irgendwie habe ich es dann doch geschafft … Der Rest ist Geschichte: Andreas wurde einer der Hauptautoren der Serie, und ich stieg nach etwas mehr als einem Roman aus gesundheitlichen Gründen gleich wieder aus. Vorher hatten wir allerdings gemeinsam eine Reihe von Exposés entwickelt, von denen Andreas die eine Hälfte zu Papier brachte und ich die andere. Deswegen bin ich bei vielen seiner späteren TN-Romane und auch bei einem schließlich von Rainer Zubeil (als »Robert Quint«) übernommenen Roman Co-Autor der Exposés.
Daß ich beim Roman »Die Eisteufel« nicht als Co-Autor genannt wurde, lag nicht an Andreas, sondern wohl am Verlag, der vermutlich nicht wollte, daß der Roman mit einer doppelten Autorenangabe erschien. Bei der Neuausgabe bei Apex wird sich das jetzt mit Andreas' freundlicher Genehmigung erstmals ändern. Bei den Apex-E-Books der »Terranauten« werde ich übrigens als einziger der Autoren nicht mehr unter Pseudonym, also als »Harald Münzer«, sondern unter meinem richtigen Namen firmieren.

Zauberspiegel:  Mittlerweile scheint Ihnen die korrekte Autoren-Angabe wichtig geworden zu sein; auf Ihrer Internetseite wird jede Tätigkeit (sei es von Ihnen, sei es von anderen) akkurat aufgeführt. Auch bei den neuen Publikationen scheint dies für Sie weitaus relevanter zu sein als früher. Zudem haben sich die Verlage geöffnet und bringen Gemeinschaftswerke tatsächlich unter zwei Autorennamen (z.B. bei »Maddrax«, »Perry Rhodan«, »Perry Rhodan Neo«, »Sternenfaust« …). Worauf führen Sie diesen Wandel zurück, bzw. weswegen hat sich Ihre persönliche  Sichtweise geändert?
Karl-Ulrich Burgdorf: Pseudonyme haben den Vorteil, daß ein Autor, der nicht erkannt werden möchte, hinter ihnen verschwinden kann. Dieser Vorteil kann sich aber auch in einen Nachteil verwandeln, dann nämlich, wenn jemand Romane von Karl-Ulrich Burgdorf, Arl Duncan, Harald Münzer und Henry Wolf liest und nicht ahnt, daß sie alle vom selben Autor stammen. Auf diese Weise kann man sich nicht im Bewußtsein einer breiten Leserschaft verankern, und genau das ist mir passiert. Jetzt, mit 66 Jahren, also in der letzten Phase meiner Laufbahn, verspüre ich das Bedürfnis, daß mein Gesamtwerk auch als solches er- bzw. bekannt wird. Deshalb habe ich mich von sämtlichen Pseudonymen verabschiedet.
Und was den Rest Ihrer Frage betrifft: Ja, die Zeiten haben sich geändert, und das ist gut so. Der eingetretenen Wandel mag mit der Entwicklung hin zu größerer Individualität zusammenhängen, die man in vielen Bereichen der Gesellschaft beobachten kann, aber das ist natürlich nur eine Mutmaßung.

Zauberspiegel:  2012 erschien Ihr »666« in der 2. Auflage von »Vampira« erneut als Nr. 34. Diese Serie wurde parallel als E-Book zweitverwertet. Einzig zu Ihrem Gastbeitrag gab es keine E-Book-Ausgabe – so weit ich im Gedächtnis habe, »auf Wunsch des Autors«. (Das Bastei-Forum ist mittlerweile abgeschaltet und für genauere Recherchen nicht mehr zugänglich.)
Weswegen waren Sie damals dagegen? Handelte es sich um eine Grundsatz- oder eine Einzelfallentscheidung?
Karl-Ulrich Burgdorf: Als mein »Vampira«-Roman als E-Book erscheinen sollte, erhielt ich von Bastei einen mehrseitigen Vertrag zugeschickt. Mit meiner Unterschrift hätte ich nicht nur auf ewige Zeiten meine E-Book-Rechte, sondern auch eine ellenlange Liste anderer Rechte an den Verlag abgetreten. Deshalb habe ich den Vertrag nicht unterschrieben und dem Verlag mitgeteilt, daß ich mit der Veröffentlichung als E-Book nicht einverstanden sei. Das war natürlich den »Vampira«-Fans gegenüber nicht besonders nett, aber in dem Moment habe ich darüber gar nicht weiter nachgedacht. Bei einem späteren Telefongespräch mit »Vampira«-Redakteur Michael Schönenbröcher wies mich dieser darauf hin, daß es vielleicht auch die Möglichkeit gegeben hätte, mit dem Verlag andere Konditionen auszuhandeln … Darauf war ich nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Bastei gar nicht gekommen, und außerdem war es jetzt sowieso schon zu spät. Sorry, folks!

Zauberspiegel:  Bereits ein Jahr darauf erschien mit »Abattoir« 2013 bei Hary Productions ein E-Book mit gänzlich neuem Text. Haben Sie sich mit der neuen Veröffentlichungsmöglichkeit anfreunden können?
Karl-Ulrich Burgdorf: Als Autor schätze ich natürlich die Möglichkeit, über E-Books neue Leserschichten zu erreichen. Als Leser kann ich mich damit allerdings nicht wirklich anfreunden, da ich ein Kind der Print-Ära bin und ein Buch für mich nur dann ein »richtiges« Buch ist, wenn ich es in gedruckter Form in die Hand nehmen kann. Natürlich kann ich auf meinem Computer E-Books lesen, aber auf diese Möglichkeit greife ich nur dann zurück, wenn es gar nicht mehr anders geht, also etwa, weil ein bestimmtes Buch nicht als Printausgabe, sondern nur als E-Book existiert. Als Beispiel sei hier die erste Zusammenstellung der phantastischen Kneipengeschichten aus »Donnas Kaschemme« genannt, die meine sehr geschätzte Düsseldorfer Kollegin Monika Niehaus als E-Book herausgebracht hat. Aber ich hoffe natürlich immer noch, daß sie für eine erweiterte Ausgabe später einmal einen Print-Verlag findet …

Zauberspiegel:  »Maddrax«, »Perry Rhodan«/«Perry Rhodan Neo«, »Professor Zammorra« und »John Sinclair« haben sich Gastautoren geöffnet: In Ihrer 1. Schriftstellerphase habe Sie einige Serienbeiträge geschrieben. Würden Sie sich auch an diesen Serien probieren wollen?
Karl-Ulrich Burgdorf: Ein klares NEIN, obwohl mich gerade »Perry Rhodan Neo« schon sehr reizen würde.

Zauberspiegel:  Einige kleine Verlage führen frühere Heftromanserien als Bücher in Klein- und Kleinstauflage fort: »Raumschiff Promet«, »Rex Corda«, »Ad Astra«, »Star Gate – Das Original« im SF-Bereich, »Dorian Hunter/Dämonenkiller« und »Das Hause Zamis/Coco Zamis« im Horrorsegment. Könnten Sie sich vorstellen, für diese Serien tätig zu werden?
Karl-Ulrich Burgdorf: Zufällig hat mich gerade vor wenigen Wochen Heinz Mohlberg zur Mitarbeit an zwei der in seinem Verlag erscheinenden Serien eingeladen, aber auch ihm habe ich mit einem deutlichen NEIN antworten müssen. Wie schon erwähnt, bin ich jetzt 66 Jahre alt. Die Zeit, die mir als Autor noch bleibt, möchte ich ausschließlich für die Umsetzung eigener Ideen verwenden. Im Grunde müßte ich schon jetzt hinter alles, was ich plane, nach Altväter Art ein »D.V.« setzen: »Deo Volente«, also »So Gott will« oder, weniger religiös ausgedrückt, »Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert«. Mein satirisch veranlagter Kollege Alexander Röder meinte zwar, »D.V.« könne doch auch »Disco Volante« heißen (wenn Sie das mit »Fliegende Untertasse« übersetzen, liegen Sie nicht ganz falsch), aber ich bleibe doch lieber bei der althergebrachten Variante.

Zauberspiegel:  Ihre aktuelle Phase wird dominiert von Kurzgeschichten. Einzig Ihr Beitrag für den Episodenroman »Sklavin und Königin« (Karl Mays Magischer Orient, Karl May-Verlag) ist mit mehr als 100 E-Book- oder Print-Seiten deutlich länger geworden.
Karl-Ulrich Burgdorf: Kurzgeschichten habe ich ja bereits in den 1970er und 1980er Jahren geschrieben; damals hatte ich aber das Gefühl, diese Form noch nicht wirklich zufriedenstellend gemeistert zu haben. Daß Mitte der 1980er Jahre die von Thomas Le Blanc bei Goldmann herausgegebenen »Sternenanthologien« eingestellt wurden, hat meinen weiteren Versuchen in dieser Richtung ein jähes Ende bereitet. Während meiner 15-jährigen Schreibpause haben sich dann allerdings eine Reihe von Ideen angesammelt, die sich am besten in Form von Kurzgeschichten umsetzen ließen; also habe ich damit zunächst angefangen. Hinzu kam, daß Thomas Le Blanc inzwischen die Reihe der »Phantastischen Miniaturen« – Kürzestgeschichten nach einem vorgegebenem Thema – begonnen hatte und mich zur Mitarbeit daran einlud. Seine wunderbar abgedrehten Themenvorgaben empfand ich als sehr anregend, so daß ich in den folgenden Jahren eine ganze Anzahl von Kürzestgeschichten für diese Reihe geschrieben habe. Die meisten davon sind – zusammen mit den unabhängig davon entstandenen längeren Geschichten – dann 2016 in meinem Erzählungsband »Der Schäms-Scheuß-Virus und andere unwahrscheinliche Geschichten« noch einmal erschienen.
Ganz allgemein gesagt: Kurzgeschichten bieten die Möglichkeit, auf engstem Raum mit einer Vielzahl von Stilen und Erzählstrategien zu experimentieren. Das möchte ich in Zukunft auch weiter fortsetzen; Ideen dazu gibt es genug.

Zauberspiegel:  Herzlichen Dank für die Antworten der 1. Fragerunde.

Die Fragen für den Zauberspiegel stellte der Lesereisende Thomas Martner

Hinweis:
Die Antworten wurden in der alten Rechtschreibung belassen. Auch die im Apex-Verlag neu aufgelegten Romane des Autors erscheinen »Auf Wunsch des Autors in der alten Rechtschreibung«. Die Frage hierzu wird im 2. Interview beantwortet.

Kommentare  

#1 Christian Dörge 2019-02-17 09:23
Ein wirklich schönes, gut recherchiertes Interview - danke dafür! Ich bin sehr gespannt auf den nächsten Teil.
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