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Harrison, Harry: Rebel in Time

Harry Harrison

Im Süden nichts Neues(Rebel In Time)

Bastei Taschenbuch SF Bestseller 22070

Originaljahr: 1983: deutsch  1984

Übersetzung: Bodo Baumann

Titelbild:  D.B.Mattingly

287 Seiten

ISBN   3-404-22070-6

 

Washington, (zunächst) Ende des 20. Jahrhunderts. Sergeant Troy Harmon ist nicht nur ein, trotz seiner Jugend, erfahrener Abwehrmann der US-Army, sondern hat auch durch Zivilcourage außerordentliche Loyalität bewiesen – und er kennt sich ein wenig mit Gold aus. Grund genug für Admiral Colonne, Leiter der „letzten Sicherheitsinstanz“(des Sicherheitsdienstes, der die Sicherheitsdienste überwacht), ihn anzufordern und auf die Spur Cornel McCullochs zu setzen. Dieser hortet Gold in rauen Mengen; nichts, was gegen die Gesetze wäre, doch die Abwehr misstrauisch macht. Troy beginnt seine Untersuchungen, stößt mit dem Obersten zusammen (der Sicherheitschef einer strenggeheimen Forschungsanlage ist), nimmt dessen bis zum kaum verhohlenen Standesdünkel und Rassenhass gehende Antipathie zur Kenntnis, kann aber nicht verhindern, dass McCulloch über Leichen geht, um seinen Plan auszuführen; wonach er, scheinbar unwiderruflich entkommt – nämlich mit Hilfe des Prototyps einer Experimental-Anordnung, euphemistisch „Zeitmaschine“ genannt. Sie diente den Wissenschaftlern bisher nur zur Untersuchung der um das Thema „Zeit und Energie“ gruppierten Geheimnisse, kleinste Gegenstände, wie eine Münze, wurden um wenige Minuten in die Zukunft versetzt– aber niemand außer einem Mitarbeiter, der McCulloch auf den Weg brachte (und dafür mit vergifteter Milch nachträglich ermordet wird), dachte ernstlich über den anderen Weg nach: einen Menschen mit diverser Ausrüstung, viel Gold und Plänen für eine ebenso leicht wie billig herzustellende Maschinenpistole in die Vergangenheit zu schicken, um sich dort, im Jahre 1859 in Richmond, als Waffenfabrikant zu etablieren und den kommenden Bürgerkrieg für die Seite des Südens zu entscheiden.

Es ist, zugegeben, auch ein fast risikoloser Plan, denn der Weg dorthin ist eine Einbahnstrasse; einen Rücktransport gibt es nicht. McCulloch wäre also völlig sicher und könnte seinen Traum vom „Sieg des alten Südens“ (einer eher romantisierten Form, aber auch gepaart mit rassistischen Vorstellungen über  die Sklaverei und weißes Herrenmenschentum ) durchführen – würde ihm nicht jemand auf dem gleichen Wege folgen, um eben dies zu verhindern. Troy Harmon tut dies, ausgestattet mit Wissen, Intelligenz, Erfahrung und einiger Ausrüstung, doch er hat ein für gerade diesen Ort und die Zeit ganz entscheidendes Manko: er  ist ein Farbiger.....

 

Der durch anderen Romanen (wie etwa „New York 1999“, verfilmt als „2022...die überleben wollen“) und Stories bekanntere Autor Harry Harrison legt hier einen formvollendeten Unterhaltungsroman vor, den man (Zeichen für einen „echten Klassiker“) immer und immer wieder lesen kann. Etwas anderes zu sein gibt er auch gar nicht vor; eine Mischung aus blankem Main Stream, Kriminalroman und historischem Abenteuer, nur durch das einzige phantastische Element der SF zugehörig, dass es einigen jener „Eierköpfen“; die in unzähligen Geheimlabors vor sich hin denken, gelungen ist, eine Anordnung aufzubauen, mit der man „etwas in der Zeit bewegen kann“. Das wundert auch keinen besonders (hat die Hauptperson doch in schneller Folge die Atombombe, Flugzeuge, Fernsehen bis hin zur Mondklandung erlebt und akzeptiert auch die Existenz einer solcher Maschine), die physikalisch-theoretischen Grundlagen überfrachten weder Sicherheitsermittler noch Leser und sind angenehm einfach gehalten, das Verhalten der Hauptpersonen ist bestechend logisch (selbst die Gräueltaten des „bösen Zeitverbrechers“) und führen zu eben jener spannenden Handlung, die man vorfindet. Dazu noch einige Seitenhiebe gegen militärisches Denken allgemein und Sicherheitsdenken im besonderen, aufgewogen gegen etwas „optimistisches“ Vertrauen in die Zuverlässigkeit amerikanischer Institutionen (von der Realität selbst vor 20 Jahren meist nicht belegt...) und unbeirrter, aber noch halbwegs sympathisches Loyalität und Patriotismus („wir versuchen, die Sicherheit unserer Nation in der Gegenwart und Zukunft zu garantieren, aber wenn es auch in die Vergangenheit ausdehnen müssen, dann müssen wir auch das tun...“). Alles wird, trotz ernster Thematik, genauso locker und leicht serviert wie ein anderen, direkt-humoristischer Roman Harrisons zu diesem Genre („The Technicolor Time Machine“, wo ein Hollywood-Film-Team eine Zeitmaschine nur dazu benutzt, um die Wikingerentdeckung Amerikas unter Leif Eriksson am Originalschauplatz zu drehen...). Und zum Ende hin gibt es noch zwei recht überraschende Pointen: warum das Unternehmen des Cornels schon vorab scheitern musste (zu verraten, dass der gute Held den bösen Schurken in einem Unterhaltungsroman besiegen wird ist nicht unstatthaft...) und wie der tapfere Negersergeant sich letztlich seinem Schicksal stellt bis zu einer Begegnung kurz vor dem zweiten Tag von Gettysburgh, als er seine eigenen Nachruf liest und doch nicht aufgibt, weil die Regeln der Zeit auch in diesem wunderschön-schnuckeligen Zeitreiseroman von Harry Harrison genauso funktionieren wie in den allermeisten (der guten...) des Unter-Genres vorher. 

Und selbst jemand, der auch jener romantischen Vorstellung des „Alten Südens“ anhängt wie die negative Hauptperson (gemessen an der Deutlichkeit der realhistorischen Niederlage gibt es, dank Hollywood, unproportional viele davon...) wird diesen Roman goutieren können; und sei es als Gedankenspiel (ähnlich dem Alternate Time Stream-Werk „Bring the Jubilee“ <„Der Grosse Süden“> von Ward Moore, einer Welt, in der Robert E. Lee bei Gettysburgh nicht jenen einen, seinen großen Fehler machte).

„Save your Confederate Money – The South will Rise Again“

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