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Dinosaurus sapiens – Über die Möglichkeit einer irdischen Zivilisation lange vor dem Menschen - Mister Magee: Mist oder Magie?

Dinosaurus sapiens – Über die Möglichkeit einer irdischen Zivilisation lange vor dem MenschenDinosaurus sapiens
Über die Möglichkeit einer irdischen Zivilisation lange vor dem Menschen

Mister Magee: Mist oder Magie?
In Großbritannien lebt ein Herr namens Michael (Mike) Magee, und er hat ein Buch geschrieben. Eines, von dem ich keine deutsche Übersetzung auftreiben konnte, und das mag seine Gründe haben. Die Kommentare auf der Rückseite des Einbandes stammen nicht von Presseorganen oder hochrangigen Fachleuten, sondern gerade mal von „einigen Lesern“.


Und als wäre dies nicht schon verdächtig genug, handelt es sich bei diesen „some readers‘ opinions“ nicht um Absätze oder auch nur ganze Sätze, sondern lediglich um Satzausschnitte, so daß man argwöhnen darf, daß die kritischen und negativen Aussagen einfach weggelassen worden sind.


Über die wissenschaftlichen Qualifikationen des Herrn Magee erfährt man wenig, aber dafür schreibt er von seiner Vorliebe für den heimischen Cidre, und daß er hofft, dies hätte ihn nicht zu sehr beim Schreiben seiner Zeilen beeinflußt. Gut, das macht in sympathisch, sagt aber wenig darüber aus, ob er überhaupt weiß, wovon er schreibt. Ja, an mehreren Stellen distanziert er sich gar vehement von „sogenannten Fachleuten“. Seriös geht anders...

Who Lies Sleeping?, heißt sein Werk, und es soll darin um eine Theorie über eine dinosaurische Zivilisation gehen, die Schuld am großen Aussterben gegen Ende der Kreidezeit gewesen sein soll. Intelligente Dinosaurier, just wie Russells Dinosauroid! Nur, daß er sie nicht als mögliche Spekulation ansieht, sondern für das ganz reale Massensterben am Ende des Mesozoikums verantwortlich macht. Allein die Vorstellung, er könne auch nur zu einem kleinen Teil Recht haben, ist pure Magie. Ja, hätte er für seine These genug Beweise zusammengetragen, um ein ganzes Buch zu füllen, es wäre eine Sensation.

Soviel Material hat er dann aber wohl doch nicht zusammenbekommen, beschäftigt er sich doch über mehrere Kapitel hinweg mit Dingen, die nur mit reichlich gutem Willen dem Thema zuzuordnen sind. Dabei erinnert die Art und Weise, wie er um mehrere Ecken die unterschiedlichsten Hypothesen unter ein Dach zu kriegen versucht, ein wenig an die Arbeitsweise eines Johannes von Buttlar, der die Stationen einer USA- Reise unter dem Hut Der Stein der Weisen zu bündeln versucht, um sie in Buchform vermarkten zu können.

Drollig sind kleine Flüchtigkeitsfehler im Text, etwa wenn er schreibt, 70° Celsius wären für die meisten Menschen erträglich, aber für manche zu warm oder zu kalt (S. 157). Auch scheint sich Herr Magee mit der Biologie rezenter Lebewesen weit besser auszukennen, als mit der ausgestorbener. So rechnet er schon mal die Flug- und sogar die Fischechsen zu den Dinosauriern, und einen Großteil der südamerikanischen Huftiere zu den Beuteltieren. Auch leitet er die Wale direkt von kreidezeitlichen Säugetieren ab (Er meint vermutlich frühe Arctocyonidae oder aber die Cimolesta), und überspringt dabei ganz die Mesonychia (marder-, hunde- und bärenartige Raubtiere, die genau genommen zu den Huftieren gehören) und die Paarhufer, von denen die frühen Cetacea (Pakicetus, Ambulocetus, Rodhocetus etc.) erst lange nach dem Aussterben der Dinosaurier abgeleitet werden.

Aber kommen wir zum Kern seiner Aussage, und zu den Argumenten und „Beweisen“, mit denen er seine Hypothese zu untermauern sucht. So stellt er zunächst die etablierten Theorien in Frage, die sich mit den Ereignissen gegen Ende der Kreidezeit befassen. Sein Ziel ist dabei ganz klar, dem gängigen Bild von dem plötzlichen Asteroiden- oder Kometentod die Glaubwürdigkeit zu entziehen. Manche seiner Argumente haben durchaus Hand und Fuß, und er bezieht sich in diesen Fällen auch auf namhafte Wissenschaftler. So erwähnt er beispielsweise das Auftreten für Meteoriten und Asteroiden atypischer Elemente in der Iridiumschicht (Arsen und Antimon im Pflanzeneintrag), als auch ihre wohl Jahrtausende dauernde Entstehungsgeschichte. Ebenso legt er die Diskrepanzen im Verschwinden unterschiedlicher Tier- und Pflanzentypen nachvollziehbar dar, so daß er die gängige Lehrmeinung glaubhaft in Zweifel zieht.

Freilich setzt er hier und da dann doch zu sehr auf die Quanti-, denn auf die Qualität. So behauptet er beispielsweise, die höheren Blütenpflanzen hätten von der Katastrophe profitiert. Bei näherer Betrachtung sieht die Sachlage jedoch ganz anders aus. Einen großen Entwicklungsschub haben die Angiosperma schon in der unteren Kreidezeit hingelegt, und gegen Ende der Epoche waren sie zahlreich genug, daß L. B. Halstead die gesamte Unterordnung Ceratopsia als spezialisiert auf Palmen, ja, als „erste Palmweintrinker“ bezeichnet hat. Es gab sogar schon Gräser, allerdings waren dies noch mehr Schilfgewächse am Rand von Gewässern; ihren Siegeszug als dominierende Vegetation der Wiesen und Savannen sollten sie erst viel, viel später antreten.

Regenwälder, wie wir sie kennen, sind erst ab der zweiten Hälfte des Paläozäns bekannt, das heißt, vielleicht zehn oder elf Millionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier (Samina Shafy). In der Zeit dazwischen macht die Flora einen eher eintönigen Eindruck – Wo also sind die Hinweise darauf, daß der Weltuntergang gerade den bedecktsamigen Pflanzen genutzt haben soll?

Ohnehin hätten sie von einem „nuklearen Winter“ ganz sicher keine Vorteile gehabt. Es sind nicht sie, die in Tundren und auf Berggipfeln die extremsten Lagen besiedeln. Und wer einmal unterirdische Höhlen besucht hat, wird gewiß nicht ohne Verwunderung festgestellt haben, daß im Schein der elektrischen Dauerbeleuchtung Moose, Flechten und sogar große Farne gedeihen. Blütenpflanzen jedoch kommen mit derlei schummrigen Lichtverhältnissen nicht aus; sie wären bei einer globalen Abschirmung des Sonnenlichts eindeutig im Nachteil.

Bliebe noch ein Überdauern als Samen, Knolle oder Zwiebel, aber ähnliche Überlebensmechanismen gibt es auch bei den primitiveren Formen (Rhizome etc.); hier ist ein eindeutiger Vorteil schwer auszumachen. Ja, wenn manche von ihnen zur Fortpflanzung sogar auf Insekten oder andere Tiere angewiesen waren, verfügten sie sogar über einen fatalen Nachteil: Kerbtiere mögen den Winter gar nicht gerne.

Ganz nebenbei erwähnt sei auch, daß es baumbewohnende Tiere gegeben hat, denen das Ende der Kreidezeit nicht den Gar aus bereitet hat. Nicht zuletzt seien mit der Gattung Purgatorius unsere eigenen Vorfahren mit angeführt.

Doch zurück zu Herrn Magee und dem Sinn und Zweck seines Buches! Die meisten Forscher zerstören kein Weltbild, wenn sie kein neues parat haben, das sie an seine Stelle setzen wollen. Das ist auch bei unserem Autor der Fall: Er präsentiert uns das Modell einer dinosaurischen Zivilisation, die sich mit Hilfe von Umweltverschmutzung und möglichem Weltkrieg schließlich selbst den Gar aus bereitet hat. Die Qualität der Indizien und „Beweise“, die seine Hypothese stützen sollen, fällt dabei deutlich ab im Vergleich zu jenen, mit denen er gegen die Asteroidentheorie vorgegangen ist.

Im Wesentlichen zieht er dabei Parallelen zwischen unserer eigenen Zivilisation und der einer möglichen mesozoischen – Aus Mangel an Kenntnissen über extraterrestrische Kulturen bleibt ihm auch kein anderes Beispiel übrig, wenn es darum geht, Anzeichen künstlicher Naturschädigung zu erkennen und zu definieren, die auch nach Jahrmillionen noch geologisch feststellbar sind.

So nimmt er sich den Faunenschnitt am Ende des Zeitalters vor, und stellt es den Tieren gegenüber, die in der Ära des Menschen verschwunden sind. Die Dauer des kreidezeitlichen Phänomens ist so genau nicht zu definieren; er kann bis zu zwei Millionen Jahre in Anspruch genommen haben, ging aber vermutlich schneller vonstatten. Geschätzt wird, daß ungefähr alle tausend Jahre eine Spezies verschwunden ist (wobei natürlich nur die Tiere berücksichtigt sind, von denen wir Kenntnis haben).

Der Zeitschrift Science (fide Magee) zufolge soll der Mensch bereits 1974 soweit gewesen sein, in jedem einzelnen Jahr tausend Spezies auszurotten. Dabei dürfen wir aber nicht nur so prominente Fälle wie den Riesenalk, die Stellersche Seekuh, den Berberlöwen, den Beutelwolf oder den Dodo betrachten. Es geht auch um diejenigen Arten, die durch unseren Einfluß so selten geworden sind, daß sie bald verschwinden, oder zumindest im Fossilbericht keine Spur mehr hinterlassen werden (was Wirbeltiere ohnehin eher selten tun).

Schon den Vormenschen machen viele Forscher für das Aussterben mehrerer Großsäuger verantwortlich. So soll dasjenige auf dem Nordamerikanischen Kontinent mit dem Auftreten der Clovis- Kultur zusammentreffen. Dabei muß es nicht immer der direkte Weg durch Jagd oder Überfischung sein; viel schädlicher ist der indirekte durch Veränderung der Umwelt. Die Zeit, in der wir und unsere Ahnen jedoch Raubbau betrieben haben, mag uns zwar unvorstellbar lang erscheinen, doch in geologischen Maßstäben ist es kaum ein Wimpernschlag. Einem hypothetischen Forscher, der 65,5 Millionen Jahre in der Zukunft lebt, bliebe davon gerade mal eine Millimeter dicke Gesteinsschicht erhalten. Für ihn wären das Aussterben des Riesenfaultiers und das des Beutelwolfs gleichzeitig passiert, und so bliebe ihm nichts anderes übrig, als das Zeitalter des Menschen und den Schluß der känozoischen Eiszeit als Einheit zu betrachten. Dies gilt auch für die Faunenschnitte beider Epochen.

Betrachtet man die Geschichte des Menschen, so haben vor allem größere Lebensformen unter ihm gelitten. Um Mäuse oder Ratten zu jagen, ist der Aufwand zu groß; das überläßt man den Katzen, Mungos und Frettchen. Die Anzahl von Haustieren ist aus verständlichen Gründen angestiegen, wo die wild lebender Formen im Gegenzug stark rückläufig ist. So liegt die Zahl domestizierter Pflanzenfresser derzeit bei etwa drei Milliarden Exemplaren. Zu Nahrungszwecken hat sich der Homo sapiens bevorzugt größerer Kreaturen bedient, oder aber nennenswerter Mengen leicht zu erbeutender Kleintiere (Fische, Muscheln etc.). Mastodons und Mammuts, Wollnashörner und Pferde, Rentiere und Rinder waren nach seinem Geschmack. Andere Tiere wie Schweine, Schafe, Ziegen und Hühner erweckten wohl erst seine gesteigerte Aufmerksamkeit, als er schon Felder bebaute, die sie anlockten.

Ja, auch Ratten und Mäuse profitieren vom Menschen, oder besser gesagt, von den Vorräten, die er anlegt. Kaninchen und sogar Schnecken gedeihen, seitdem er Gärten anlegt. Auch manche Wildvögel, wie etwa die Spatzen und Meisen, nutzen unsere Nachbarschaft, zumal wir sie im Winter auch noch füttern.

Freilich ist all dies eine Entwicklung weniger Jahrtausende; aus der geologischen Perspektive einer fernen Zukunft lassen sich derlei Tendenzen und der Faunenschnitt am Ende der letzten Eiszeit nicht auseinander halten. Dementsprechend haben wir keine Möglichkeit festzustellen, ob etwa dinosaurische Farmer Herden von Triceratops als Nutzvieh gehalten haben, oder gar die Hadrosaurier, die Magee auf seiner Webseite als Haustiere ansieht, weil sie zwar groß sind, aber nicht besonders schnell und ohne nennenswerte Verteidigungmechanismen. Nur können die eigentlich nicht extra gezüchtet worden sein, war ihr Formentyp doch schon seit Mitte/ Ende Jura (Callovosaurus, Camptosaurus etc.) recht erfolgreich.

Gewiß, es gab weiland bei den Sauriern eine Abnahme der Arten bei Zunahme der Individuen, und wenn man will, mag man dies als Hinweis auf eine mögliche Domestikation und gezielte Zucht bestimmter Arten interpretieren. Wahrscheinlicher jedoch ist, daß sich hier – wie so oft in der Erdgeschichte – einfach die Umweltbedingungen geändert haben, und anpassungsfähigere Spezies ihren Vorteil genutzt haben.

Doch wo die Biologie keine gesicherten Schlüsse zuläßt, mag uns die Chemie mehr Sicherheit geben. Die wenigen Jahrhunderte, die wir vom Beginn der Industrialisierung an bis heute zurückgelegt haben, haben durch die Vergiftung der Natur deutliche Spuren hinterlassen, daß wir von Ölbohrkatastrophen in der Tiefsee über absaufende Zwischenlager mit radioaktiven Abfällen und die ausdünnende Ozonschicht bis hin zu Weltraumschrott im Orbit für immer im Gedächtnis der Erde bleiben werden.

Läßt sich etwas Vergleichbares auch am Schluß der Kreidezeit ausmachen? Natürlich haben wir da als erstes gleich wieder die Iridium.- Anomalie im Hinterkopf. Magee zweifelt es an, das die darin enthaltenen Komponenten Zeugnisse eines Asteroidenimpakts oder eines darauf folgenden Fallouts sind, und sein Hauptargument zielt gerade auf ihre globale Verteilung ab. Meteoriten nämlich, die beim Sturz auf die Erde nicht gänzlich verglüht sind, pflegen dort, wo sie eingeschlagen sind, eine lokale Erz- Lagerstätte zu bilden. Gibt es auch noch Unklarheiten in Bezug auf die Zusammensetzung der verschiedenen Typen von Sternschnuppen, so läßt sich doch ausschließen, daß sie auf eine Weise auseinanderbrechen, die schwermetallene Bestandteile wie Osmium, Palladium und Iridium gleichmäßig in der oberen Atmosphäre verteilen (von wo sie dann später abregnen). Vor diesem Hintergrund ließen sich viele Effekte, die man auf Asteroideneinschlägen oder die Ausbrüche von Supervulkanen zurückführen mag, tatsächlich auch als Resultat einer ganz profane Umweltverschmutzung deuten. Saurer Regen gehört dazu, ein erhöhter Grad von Schad- und Schwebstoffen in der Luft und auch die Eutrophierung von Gewässern. Michael „Mike“ Magee tut genau das.

Beispielsweise enthalten Abgase, wie wir sie produzieren, Treibgase, Stickoxide, Rußpartikel und diverse andere Substanzen, die sich schädlich auf das Klima auswirken können. Die fragmentarischen Kohlereste, die von Zeit zu Zeit in der Anomalie nachweisbar sind, mögen tatsächlich als Rußpartikel gedeutet werden, ebenso wie der partiell hohe Schwefelgehalt eine Folge sauren Regens gewesen sein mag. Aber obwohl auch die Belastung mit Schwermetallen zu den Problemen der Umweltverschmutzung gehört, gehören Osmium, Palladium und das namensgebende Iridium gerade nicht zu den Elementen, die für den Naturschutz unserer Tage ein Problem darstellen. Im Gegenzug sind auch aus den Lagen der Anomalie nur wenig weitere Substanzen bekannt, die auf den Einfluß uns bekannter Luftverschmutzung schließen lassen.

In der Tat spielt Iridium schon aufgrund seiner extremen Seltenheit in der Erdkruste keine große Rolle in unserer modernen Industrie. Es ist äußerst korrosionsbeständig, und hat einen extrem hohen Schmelzpunkt. Zusammen mit Osmium gehört es zu den atomar am dichtesten gepackten nicht radioaktiven Elementen. Es wird vor allem für Legierungen verwendet, die sich durch Härte und Sprödigkeit auszeichnen. Trotz seines enormen Gewichts hätte man mit diesem Platinmetall durchaus stabile Kanonen, Schiffswände und Baugerüste fertigen können – Wäre es nur so alltäglich wie Kupfer oder Eisen! Doch schon seine hohe Ordnungszahl (77) verrät, daß es weder auf Erden, noch sonstwo im Weltall jemals häufig gewesen ist. Daß sich ein ganzes Gesellschaftssystem auf seine Verarbeitung gründen könnte, erscheint damit kaum vorstellbar.

Nun mag man mutmaßen, in der späten Kreidezeit wäre ein uns unbekannter Rohstoff verarbeitet worden, eventuell ein Erz oder gar eine Energiequelle, und das so vollständig, daß heute nur noch diese Iridium enthaltende „Abfallschicht“ übrig geblieben wäre. Aber was sollte das sein? Wäre es etwas, das in der Urzeit der Erde gebildet worden ist, läge es zum Teil in sehr tiefen Schichten, so daß eine vollständige Erkundung oder gar Ausbeutung kaum vorstellbar ist. Auch von Mond- und Meteoritengesteinen ist nichts bekannt, das dem entsprechen könnte.

Ist es aber etwas, das später entstanden ist, so müßte sich nach dem Aussterben der Dinosaurier erneut feststellbare Vorkommen gebildet haben, die uns wiederum bekannt sein müßten.

Bliebe noch der Gedanke, die hypothetische dinosaurische Zivilisation könnte die Wärme des Erdmantels zur Energieversorgung genutzt haben, oder aber Schächte in die Kruste getrieben haben, um eventuell angefallenen Atommüll halbwegs sicher zu entsorgen – Beides hätte die Errichtung künstlicher Vulkane bedeutet, und schon die natürlichen sind unberechenbar.

Noch abenteuerlicher wäre die Vorstellung, man könnte gezielt Meteoriten aus dem All geholt haben, um sich ihrer Erze zu bedienen. Das hieße aber auch, daß damals schon eine Knappheit an Rohstoffen geherrscht haben müßte, so daß sich die Frage stellt, warum dann noch genügend übrig geblieben ist, um viel, viel später den Aufstieg der Menschheit zu ermöglichen. Die globalen Temperaturen zu Ende der Kreidezeit waren wärmer als heute; weit größere Bereiche der Kontinente waren überflutet, und die Pole wahrscheinlich durchgehend eisfrei. Vor 91,2 Millionen Jahren mag es eine kurze Vereisung gegeben haben, die jedoch zu keinem Massenaussterben geführt hat; allenfalls das Fehlen von Sauropoden in Nordamerika für ganze 20 Millionen Jahre (bis zur Einwanderung von Alamosaurus) könnte man darauf zurückführen. Ansonsten jedoch war es derselbe Planet, auf dem auch wir entstanden sind, mit nahezu denselben Häufigkeiten und Verteilungen von Elementen, wie sie auch uns vertraut sind. Da erscheint es nicht sehr wahrscheinlich, daß eine dinosaurische Zivilisation auf gänzlich anderen Grundlagen gefußt haben soll. Die Kohleschichten des Karbon sind jedoch ebensowenig ausgebeutet worden, wie die Salzlagen des Perm – sehr zum Vorteil unserer eigenen Geschichte. Auch wenn man nicht ganz vergessen darf, daß viele Lagerstätten damals einfach nicht zugänglich waren, weil sie aufgrund des erhöhten Meeresspiegels tief unter Wasser lagen

Bleibt noch das Beispiel Blei. Mit seiner hohen Ordnungszahl (82) sollte es eigentlich extrem selten sein, doch das ist zumindest auf der Erde nicht der Fall. Grund hierfür ist, daß dieses Metall am Ende gleich dreier der vier radioaktiven Zerfallsreihen steht. Das heißt, der Großteil unserer natürlichen Vorkommen bestand einmal aus anderen, strahlenden Materialien. Könnte Iridium nicht auch ein Überbleibsel eines solchen Prozesses sein, und damit ein Anzeichen dafür, daß die Dinos über nukleare Technologien verfügt hätten? Wohl weniger, denn hätten die Saurier wirklich ihre Umwelt kontaminiert, hätten wir es mit Lagen zu tun, in denen auffällig viel Blei (oder gar Ausgangsstoffe wie Thorium oder Uran) vertreten ist, aber nicht so sehr Iridium.

Aber schließlich sind auch im Jura schon große Erdölfelder entstanden, und was wissen wir von Kohlereserven, die lange vor uns ausgebeutet worden sein mögen? Das Karbon hat uns sehr viel davon hinterlassen, aber woher wollen wir wissen, daß die Flöze ursprünglich nicht ungleich mächtiger und weiter verbreitet gewesen sein mögen?

Zu all diesen Überlegungen fügt sich noch das Faktum, daß unsere eigene Entwicklung recht charakteristische Spuren hinterlassen hat. Das Zeitalter der Dampfschiffe hat beispielsweise für die Verbreitung von Kohlebrocken auf dem Meeresgrund gesorgt, und die Müllhalden unserer jetzigen Gesellschaft  dürften sich auch in zukünftigen Erdschichten wiederfinden. Vergessen wir auch nicht, daß beispielsweise bis in die achtziger Jahre hinein Atommüll in der Nordsee verklappt worden ist.

Vom Ende der Kreidezeit kennen wir nichts dergleichen. Allerdings sind seit damals auch 65,5 Millionen Jahre ins Land gezogen, und es stellt sich die Frage, was über einen derart langen Zeitraum erhalten bleibt. Metall korrodiert, Stein und Beton verwittern, Glas kristallisiert aus – Kaum etwas bleibt in der Form erhalten, wie es einmal gewesen ist. Selbst Versteinerungen sind schließlich kein organisches Material, sondern von Mineralien ausgefüllte Hohlräume, welche die Form längst vergangener Knochen nachgebildet haben.

Doch kehren wir zurück zu Michael „Mike“ Magee und seinem Vergleich zwischen Gegenwart und Mesozoikum. Denn seine Argumente beziehen sich nicht allein auf die Iridium- Anomalie. So sollen für das Ende des Mesozoikums erhöhte Metallvorkommen nachgewiesen sein. Sie werden gerne als Indiz für extraterrestrisches Material gewertet, oder aber als vulkanischer Auswurf, doch Magee führt an, daß die Aussalzung gewöhnlicher Bodenmineralien durch sauren Regen gleichfalls Metall- Ionen freisetzt (Diverse Verhüttungstechniken und eine Wegwerfgesellschaft wie die unsere tun ihr Übriges). Die geographisch unterschiedliche Verteilung mag mit einer regional variierenden Industrie und der spezifischen Erzzusammensetzung der jeweils ausgebeuteten Minen zusammenhängen, wenn man dem Autor folgt. Allerdings können die Strömungsverhältnisse in der Atmosphäre einen recht ähnlichen Einfluß auf die Niederschläge vulkanischer Aerosole haben.

Metalle reichern sich jedoch nicht nur in Deponien an; viele gelangen auch in die Kreaturen selbst. Die Rede ist jetzt nicht von chinesischen Kaisern, die sich selbst ein Ende setzten, weil sie erhofften, durch Einnahme von Goldpillen ewiges Leben zu erlangen. Es geht um die ganz allmähliche Einlagerung von Schwermetallen wie Blei und Cadmium, die der menschliche Körper nicht abbauen kann. So wurde in den achtziger Jahren gar davon abgeraten, die Säuglinge zu stillen, weil die Muttermilch nach chemischen Kriterien zu sehr mit Schadstoffen belastet sei. Magee nutzt dies (wieder mal) zu abenteuerlichen Spekulationen, indem er die gesteigerte Gewaltbereitschaft einer modernen Großstadtjugend direkt mit der Menge an in unseren Körpern aufgenommenem Blei in Verbindung bringt. Derlei Behauptungen steigern nicht unbedingt seine Glaubwürdigkeit, respektive die Bereitschaft, seine Hypothesen mit dem gebotenen wissenschaftlichen Ernst zu betrachten.

Des weiteren nimmt er den hohen Metallgehalt der Iridium- Anomalie auch zum Anlaß, eine Überdüngung der kreidezeitlichen Böden anzunehmen, die wiederum zur Eutrophierung der Flüsse und Seen geführt hätte. Dies paßt jedoch nicht besonders gut zu seiner Feststellung, daß der mesozoische Faunenschnitt die Süßwasserfauna weitgehend verschont hätte.

Was allerdings für diese Annahme spricht, ist, daß ein großer Teil unserer heutigen Erdölvorkommen in der späten Kreidezeit entstanden ist. Erdöl bildet sich immer dann, wenn organisches Material im Wasser aufgrund von Sauerstoffmangel nicht vollständig abgebaut werden kann. Das ist der Fall, wenn Algenteppiche den Gasaustausch zwischen Wasserkörper und Atmosphäre unterbinden. Algenteppich florieren dank des Düngers, den die Niederschläge von den Äckern in die Vorfluter spülen.

Daß ein solch reduzierendes Milieu freilich auch ganz andere Ursachen haben kann, zeigt uns das Schwarze Meer. Hier ist das salzige Mittelmeer in derart kurzer Zeit in einen ausgesüßten Binnensee geflossen, daß es zu keiner ausreichenden Vermischung kam: Unterhalb einer sehr dünnen Übergangszone ist das Schwarze Meer praktisch frei von Sauerstoff.

Die Kreidezeit war eine Ära weit ins Flachland vordringender Meere. Nordamerika beispielsweise stand soweit unter Wasser, daß es von Norden nach Süden zweigeteilt war. Ja, die Fauna des Ostens hatte Kontakt zu der Europas, und die des Westens zu derjenigen Asiens – Untereinander jedoch gab es keine Verbindung. Daß auf diese Weise zahllose Seen überspült worden sind, kann man sich gut vorstellen. Hier die Ursache für die Entstehung der meisten Erdöl- Lagerstätten anzunehmen, erscheint mir weitaus wahrscheinlicher, als die Auswirkungen einer nur auf wenige Jahrtausende veranschlagten Dinosaurier- Zivilisation.

Schon ein paar Jahrzehnte hat die Theorie auf dem Buckel, die Dinosaurier wären ausgestorben, weil die Schalen ihrer Eier entweder zu dünn, zu dick, oder doppelt ausgebildet gewesen wären. Als Kronzeuge wird gerne der europäische Sauropode Hypselosaurus angeführt, weil man an ihm zugeschriebenen Gelegen entsprechende Erscheinungen festgestellt haben will, wie sie auch modernen Seeadlern zu schaffen machen. Von anderen Sauriern seiner Zeit ist meines Wissens nach allerdings nichts Entsprechendes bekannt, und von Maiasaura, Protoceratops und Oviraptor kennt man durchaus noch weitere Nester samt Inhalt.

Natürlich kann auch dies eine Folge von Umweltverschmutzung sein, so wie es bei dem erwähnten Greifvogel schließlich ebenso angenommen wird. Doch wenn der Effekt nur bei einer einzigen Gattung nachgewiesen worden ist, besteht eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, daß wir es eher mit einer artspezifischen Krankheit zu tun haben. Und die Hundestaupe mag zwar die afrikanischen Wildhunde bis an die Grenze des Aussterbens dezimiert haben, aber weder unsere Zivilisation, noch das Leben auf der Erde (oder auch nur in Ostafrika) haben dadurch Schaden genommen.

Aber es gibt noch weitere Indizien, die Herr Magee für seine Theorie zu nutzen versteht. So deutet beispielsweise das Isotopen- Verhältnis von Sauerstoff 16 zu Sauerstoff 18 in endkreidezeitlichen Kalksteinen auf eine Klimaerwärmung hin. Im Verlauf der Erdgeschichte sind derlei Schwankungen nichts Ungewöhnliches. Sie könnten zwar auf eine Zivilisation wie unsere eine verheerende Wirkung haben, aber das Leben selbst hat sich davon nie groß beeindrucken lassen.

Eine plötzliche Abkühlung übrigens, wie sie der quasi- nukleare Winter in Folge eines Asteroideneinschlags oder der Eruption eines Supervulkans nach sich gezogen hätte, läßt sich im Sediment nicht nachweisen. Erst im folgenden Tertiär, zu Beginn des Paläozän, läßt sich eine um zwei bis drei Grad niedrigere Temperatur weltweit feststellen.

Auf jeden Fall stellt Magee einen Zusammenhang her zwischen der Klimaerwärmung und dem modernen Treibhauseffekt. Was dabei ein wenig ins Hintertreffen gerät, ist, daß die kretazeische Erwärmung ein paar Jahrmillionen in Anspruch genommen hat, die unserer industrialisierten Zivilisation aber gerade mal ein paar Jahrhunderte (Man darf nicht vergessen, daß uns bis ins 19. Jahrhundert hinein noch die sogenannte „kleine Eiszeit“ zu schaffen gemacht hat).

Auch den Ascheeintrag, der als Anzeichen von Waldbränden gedeutet werden, vergißt Magee nicht. Man mag ihn als Folge eines Impakts oder Vulkanausbruches interpretieren, doch kann er auch ganz natürliche und banale Ursachen haben. Magee erwägt Brandrodung – Nur, warum sollte ein Dinosaurus sapiens ausgerechnet Gehölze abfackeln? Derlei Praktiken dienen in den Tropen vor allem dazu, immer wieder Raum für neue Äcker zu schaffen, weil die bewirtschafteten Böden aufgrund der klimatisch- geographischen Verhältnisse rasch auslaugen. Wir aber haben festgestellt, daß ein möglicher Dinosaurus sapiens fleischfressende Ahnen gehabt hätte – Was hätte ausgerechnet er mit Feldfrüchten anfangen können? Und wenn es ihm stattdessen um Tierzucht und Weideland gegangen wäre, hätte er sein Vieh auch so im Forst halten können. Sauropoden zum Beispiel haben sich ihre eigenen Lichtungen geschaffen, in dem sie einfach alles, was in Reichweite von Hals und Maul gewesen ist, kahlgefressen haben. Mit Flammen nachzuhelfen, war da vollkommen überflüssig. Und gab es auch Regionen, wo Hadrosaurier dominierten, so waren die Sauropoden in anderen auch zu Ende der Kreidezeit immer noch häufig (und allein aufgrund ihrer Größe ausgezeichnete Fleischlieferanten).

Freilich gibt es einen Sonderfall: Wenn der weltweite Bedarf nach tierischer Nahrung so groß ist, daß gewaltige Herden verköstigt werden müssen, kann Brandrodung ein effektiver Weg sein, innerhalb weniger Jahre einen kompletten Dschungel in eine weite Savanne zu verwandeln. Allerdings braucht man ein paar Jahre Geduld, bis die ersehnten Futterpflanzen aus der Asche der Bäume gewachsen sind.

Vollkommen konfus werden Magees Hypothesen in Bezug auf die zeitlichen Dimensionen. Auf der einen Seite versucht er, den Faunenschnitt auf wenige Jahrmillionen, ja, auf Jahrtausende reduzieren. Dann aber bringt er die Entwicklungen im Nasen- Rachenraum von Ankylo- und Hadrosauriern mit einer erhöhten Luftverschmutzung in Verbindung. Diese anatomischen Veränderungen setzen jedoch mehrere Zehner- Jahrmillionen vor dem Ende der Kreidezeit ein, und eine Zivilisation, die so lange Bestand gehabt, und dazu noch konstant die Luft verpestet hat, hätte ganz gewiß eindeutige Spuren in der Erdgeschichte hinterlassen! Und wenn sie über einen so langen Zeitraum die Umwelt verdreckt hat, warum kam das Ende erst so spät, und dann auch noch so unerwartet plötzlich?

Außerdem ignoriert Herr Magee vollständig die Tatsache, daß man auch dann durch den Mund atmen kann. Und da haben weder die Ankylo-, noch die Hadrosaurier irgendwelche Vorrichtungen entwickelt, die sich als Filter interpretieren ließen. Von den Ceratopsiern und den Tyrannosauriern gar, die gegen Ende der Kreidezeit ihre große Ära hatten, sind keine solchen Anpassungen bekannt, obwohl beide Gruppen recht ausgeprägte Geruchsorgane hatten. Es macht ganz den Eindruck, als hätten zumindest sie keinerlei Probleme mit einer eventuellen Luftverschmutzung.

Wir haben schon erfahren, daß sowohl die Impakt-, als auch die Vulkan- Befürworter davon ausgehen, daß der Katastrophe eine Phase gefolgt ist, in der Aerosole in der oberen Atmosphäre das Sonnenlicht blockiert, und somit für eine globale Abkühlung gesorgt hätten, die der eines nuklearen Winters gleich gekommen wäre. Daß Magee sich da die Frage stellt, ob die Dinosaurier nicht einem echten „nuklearen Winter“ zum Opfer gefallen sein könnten, ist im gewissen Sinne nachvollziehbar. Doch schon die Argumente, mit denen er uns Glauben machen möchte, es hätte miteinander Krieg führende Dinosaurier- Staaten gegeben, sind arg abenteuerlich. Als Kronzeugen führt er hierzu ausgerechnet die Pachycephalosauria an. Von denen wird angenommen, daß sie Balzkämpfe ausgefochten hätten, indem sie ähnlich wie Widder ihre Köpfe gegeneinander gestoßen hätten. Auch in Bezug auf die Ceratopsier gibt es vergleichbare Hypothesen, die jedoch umstritten sind. Zwar läßt sich bei ihnen ein klarer Geschlechtsdimorphismus erkennen, doch sind auch die weiblichen Exemplare stets wehrhaft behornt gewesen.

Nun sind beide Gruppen nur entfernt mit den Vorfahren unseres hypothetischen Dinosaurus sapiens verwandt, und von den heutigen Vögeln ist ein derartiges, für Säugetiere typisches Verhalten eigentlich nicht bekannt. Trotzdem glaubt Magee, dadurch auf ein ähnlich territoriales und aggressives Verhalten seiner intelligenten Saurier schließen zu können, wobei aus simplen Revierkämpfen Kriege zwischen Staaten werden. Er zitiert John Noble Wilford, Autor des Buches The Riddle of the Dinosaurs, der anführt, daß beim Versteinerungsprozeß fossiler Knochen auch Uran eingelagert wird. Magee hat für diese Anreicherung seine ganz eigene Erklärung.

Als Beispiel für einen prähistorischen Kernreaktor führt er eine Uran- Lagerstätte bei Oklo in Gabun an, in der das für den Betrieb eines Meilers nötige Isotop 235 fehlt, und das nach unserem Kenntnisstand nicht verwendungsfähige Isotop 238 dominiert. Freilich kann er nicht umhin einzugestehen, daß die moderne Wissenschaft davon ausgeht, daß dieser Prozeß natürliche Ursachen gehabt, und im Präkambrium stattgefunden hat (laut Weltalmanach des Übersinnlichen vor 1,7 Milliarden Jahren), lange vor dem Auftreten mehrzelligen Lebens. Dennoch spielt er mit dem Gedanken, daß es sich hier um ein Erzvorkommen gehandelt hat, das von vernunftbegabten Dinosauriern hätte ausgebeutet worden sein können. Und ein Zeitraum von 65,5 Millionen Jahren mag ausreichen, um von all den Kernreaktoren und nuklearen Waffen kaum mehr als eine Häufung von Elementen aus den nuklearen Zerfallsreihen übrig zu lassen, deren Auftreten auch natürliche Ursachen haben kann.

Aber mit dem selben Argument ließe sich auch behaupten, vor 65,5 Millionen Jahren habe es grün- gelb gestreifte Kobolde gegeben, die sich in ihre Zipfelmützen aus strahlendem Material gewebt hätten.

Doch Magee hat uns noch mehr zu bieten. So ist allgemein bekannt, daß bei Atombombentests insbesondere in Wüstenregionen Sand zu grünem Glas aufgeschmolzen wird. Auch an der Kreide- Tertiär- Grenze her kennt man Bruchstücke solchen Glases – Für den Autor ein Indiz, daß seine Anthroposaurier über Kernwaffen verfügt haben könnten. Freilich braucht es keine nuklearen Explosionen, um Glas herzustellen; auch vulkanische Eruptionen und Impakt- Ereignisse sorgen für die erforderlichen Temperaturen.

Außerdem tritt Glas in den Schichten mehrerer Zeitalter auf, und wenn man bedenkt, daß es als amorphe Substanz für gewöhnlich recht bald Kristalle bildet und sich in Gestein zurückverwandelt, läßt sich nicht ausschließen, daß es im Verlauf der Erdgeschichte gar nicht mal so selten entstanden ist. Wie viele Superzivilisationen müßte unser Planet beherbergt haben, sollte als Ursache jedesmal ein globaler Konflikt angenommen werden!

Ähnliches gilt für „Stress Lines“ in Quarzbruchstücken dieser Ära, die Magee gleichfalls anführt.

Fast schon albern mutet das Argument an, die hohen Bernsteinvorkommen etwa im Ostseeraum wäre eine Reaktion der Kiefern, um sich mittels des austretenden Harzes gegen nuklearen Fallout zu schützen. Magee übersieht ganz und gar, daß das Gro der Bernsteinfunde aus dem Tertiär stammt, also Millionen und Abermillionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier. Da wäre es plausibler, würde er behaupten, Urpferdchen und Uintatherien hätten einen Atomkrieg miteinander ausgefochten.

Tatsächlich dient das austretende Harz einfach nur dazu, Wunden am Stamm zu versiegeln. Eine Häufung von Bernsteinen steht in der Regel nicht für eine Häufung von Verletzungen, sondern einfach für eine große Anzahl sogenannter Bernsteinkiefern (und das über einen längeren Zeitraum hinweg).

Der tschechische Bernstein, den Magee heranzieht, mag mehr oder weniger genau auf die Kreide- Tertiär- Grenze zu datieren sein, doch ist er mengenmäßig eher gering im Vergleich zu den baltischen Vorkommen. Die entstammen in der Mehrzahl dem mittleren Tertiär, also einer Epoche, in der schon seit 15 bis 45 Millionen Jahren kein Dinosaurier mehr die Chance gehabt hatte, Atombomben zu werfen.

Aber auch andere „Argumente“, mit denen der Autor ein nukleares Ereignis am Ende des Mesozoikums belegen möchte, sind nicht weniger haarsträubend. So gibt es etwa einen berühmten Hadrosaurier- Fund, die sogenannte Anatosaurus- Mumie. Dabei handelt es sich genau genommen um keine Mumie, sondern lediglich um ein Fossil, bei dem auch Abdrücke der Haut erhalten geblieben sind. Magee stellt die These auf, Radioaktivität würde konservieren, und er führt an, daß bei dem Fund keine Spuren von Fleisch- oder Aasfressern festzustellen seien.

Im Falle des Anatosaurus wird jedoch angenommen, sein Kadaver wäre in einem ariden Klima ausgedörrt, bevor er von einem Flutereignis erfaßt worden, in ein Gewässer gespült und in sauerstoffarmem Milieu rasch mit Schlamm bedeckt worden ist. Da hätte kein Freßfeind Gelegenheit gehabt, sich an dem Fleisch gütig zu tun.

Ähnliche Prozesse lassen sich heute noch im Schwarzen Meer beobachten. Radioaktivität kommt hier in keiner einzigen Minute zum Einsatz.

Bliebe noch das Ozonloch, das unsere Tagespresse so nach und nach verlassen hat. Wo sich die Befunde der Endkreidezeit in Richtung Umweltverschmutzung interpretieren lassen, läßt sich natürlich auch noch ein solches Phänomen mit einbauen. Klar, das sich Entwicklungen in der unteren Stratosphäre aus den geologischen Schichten, und damit aus der Nachweisbarkeit heraushalten...

Was also bleibt nach der Lektüre dieses Buches? Fakt ist, Magee bleibt uns die Beweise schuldig. Alles, was er vorzuweisen hat, sind Indizien, die im Allgemeinen anders interpretiert werden, die sich aber auch in seinem Sinne deuten ließen. Er präsentiert uns kein Bruchstück der erstaunlich großen Hirnschale eines Sauriers, kein Äonen altes Artefakt, kein Fragment, das eindeutig (oder auch nur zweideutig) einer industriellen Produktion zuzuordnen wäre. Sein Anthroposaurus soll zwar die Umwelt verschmutzt haben, aber Müllhalden in Gewässernähe, wo sie hätten sedimentiert werden können, hat er offenbar nicht angelegt. Er soll über Nuklearwaffen verfügt haben, aber Dampfschiffe mit den für sie charakteristischen Schlackebrocken haben anscheinend nie die Kreidemeere durchpflügt. Und obwohl jener Anthroposaurus schuld am großen Aussterben sein soll, müßte er doch umweltbewußt genug gewesen sein, daß er uns keine Spuren von Dünnsäureverklappung oder Endlagern für radioaktiven Müll hinterlassen hat. Dabei gab es auch damals schon die ausgedehnten Salzlager des Zechsteins, die heute noch bundesdeutsche Politiker dazu verführen, hier ihre Castor- Behälter loswerden zu wollen.

Im wesentlichen vermengt Magee eine Reihe von teils seriösen, teils arg umstrittenen Hypothesen, die nicht unbedingt mit seiner Theorie vom intelligenten Dinosaurier zu tun haben, etwa wenn er eine Überlegung anführt, die Vorfahren der Menschen hätten im Bereich des Roten Meeres eine semi- aquatische Lebensweise geführt. Auf meine persönliche Nachfrage zu dieser Theorie, die auch der Zeitschrift P. M. einmal einen Artikel wert gewesen ist, äußerte sich Prof. Dr. Henke (vom anthropologischen Institut der Johannes- Gutenberg- Universität zu Mainz), dies sei in wissenschaftlichen Kreisen als „Witz“ aufgefaßt worden.

Die weitaus anerkanntere Theorie, Fellreduktion und Schweißbildung hätten den Zweck, Überhitzung zu vermeiden, erscheint mir da weitaus plausibler. Noch heute hetzen die Buschleute Südwest- Afrikas ihr Jagdwild immer wieder auf, bis es sich erst einmal abkühlen muß, und damit nicht mehr fliehen kann.

Auch geizt Magee mit Quellenangaben. Eine Koryphäe aus Glasgow etwa, auf die er sich beruft, habe ich gar im ganzen Internet nicht ausfindig machen können. Und wenn er tatsächlich einmal einen Wissenschaftler namentlich nennt, so heißt das noch lange nicht, daß das entsprechende Werk auch in der Literaturliste aufgeführt ist (beispielsweise Cesari Maltoni auf Seite 141 oder John Finchham auf Seite 96). Ja, in der Aufstellung wird noch nicht einmal Dale Russell erwähnt, der dieses ganze Thema ja eigentlich erst losgetreten hat! Nun hat Mister Magee gewiß nicht die Absicht gehabt, ein überwiegend für die Elfenbeintürme der Wissenschaft verfaßtes Werk zu publizieren, und sich auch von „sogenannten Fachleuten“ distanziert. Aber wenn er sich schon auf Kapazitäten und ihre Forschungsergebnisse beruft, hätte es seiner Glaubwürdigkeit nur geholfen, hätte man als Leser nachvollziehen können, auf welchen Grundlagen seine Schlußfolgerungen basieren. Gewiß, man kann eine Abhandlung auch unlesbar machen, indem man jeden Satz mit mehreren Fußnoten spickt, aber zumindest eine Erwähnung der Quellen in der Bibliographie wäre hilfreich gewesen.

Schlußendlich sucht er sich ein paar Aspekte aus irdischen Mythologien heraus, verquickt sie mit einer möglichen, in den Genen verankerten Furcht unserer mesozoischen Vorfahren vor großen Reptilien, und bemüht sogar H. P. Lovecraft als Kronzeugen, um den Titel seines Buches zu begründen (Cthulhu in der Kreidezeit?). Danach symbolisiere die Urangst des Menschen vor dem Reptilischen den Versuch des R- Komplexes, die linke Hälfte des Großhirns zu dominieren.  Bei dem R- („Reptilien“-) Komplex handelt es sich nach Paul D. MacLean (und der Erstausgabe von P. M. anno 1978) um einen zuerst bei Kriechtieren nachweisbaren Bereich des Bregens, der vor allem für aggressives, hierarchisches und zur Routine werdendes Verhalten verantwortlich ist. Die Großhirnrinde hat sich erst im Verlauf der Säugetier- Evolution entwickelt, und gilt als Sitz des kognitiven Denkens. Dabei arbeitet die linke Hälfte mehr logisch analytisch, während die rechte für Phantasie und Mustererkennung, aber auch für den Blick auf das große Ganze steht. Die moderne Gesellschaft sieht Magee als eine, in der die Rechte von der Linken dominiert wird, aber an anderer Stelle des Buches auch vom R- Komplex belagert. Träume (-> Phantasie -> rechtes Cerebellum) von Drachen und ähnlichen echsen- oder schlangenartigen Monstrositäten stünden demnach für die Warnung unseres Unterbewußtseins, die Verhaltensmuster des R- Komplexes könnten die der rechten Hirnhälfte übernehmen (weil sie von der Gesellschaft und unserer Gesellschaft gefördert würden). Ohne Blick auf das große Ganze aber fehle uns die Chance zu erkennen, in welche Katastrophe unsere den Planeten Erde ausbeutende Zivilisation hineinschlittern würde (vereinfacht ausgedrückt). Unser Augenmerk wäre mehr auf die Details, nur auf unsere eigenen kleinen und kurzfristigen Vorteile fixiert, und dies hätte schon dem intelligenten Dinosaurier das Ende beschert. Ihm, der nur in der Ecke unseres Denkens lauern würde, so wie Lovecrafts Schreckgestalten, um es bei passender Gelegenheit zu übernehmen.

Völlig ohne Zusammenhang dazu steht Magees Schlußthese, der R- Komplex, für den sein Anthroposaurus stehe, würde beim Menschen Macht über die rechte Gehirnhälfte ausüben. Der R- Komplex ist zwar ein Erbe aus unserer reptilischen Vergangenheit, aber die Dinosaurier zählen eben nicht zu unseren Vorfahren. Unser beider Stammbaum hat sich schon im Karbon vor weit über 300 Millionen Jahren getrennt, vermutlich schon kurz nachdem die ersten uns bekannten Kriechtiere in Erscheinung getreten sind. Was die heutigen Kriechtiere anbelangt, können bestenfalls die Schildkröten den Anspruch erheben, mit den Säugetieren und den Dinosauriern gleichermaßen verwandt zu sein (und selbst bei ihnen ist es nicht ganz sicher, ob sich bei ihnen die zur Kennzeichnung der Entwicklungslinien benutzten Schädelöffnungen nicht sekundär wieder geschlossen haben). Brückenechsen, Echsen, Schlangen, Krokodile und Vögel haben sich allesamt erst später von dem Dinosaurier- Ast getrennt, als es unsere Ahnen getan haben.

Magee spekuliert, daß sein hypothetischer Anthroposaurus durch die kulturelle Betonung des R- Komplexes zu ähnlich kurzsichtigem und rücksichtslosem Verhalten gegenüber Welt und Umwelt verleitet worden sein könnte, wie er es für uns annimmt. Dementsprechend warnt er, daß sich das Schicksal der Dinosaurier am Homo sapiens wiederholen könnte.

Anfangs habe ich geschrieben, daß allein die Vorstellung, Magee könne auch nur zum Teil recht haben, pure Magie sei. Jetzt, nach abgeschlossener Lektüre seines Buches, ist der Mythos vollends entzaubert. Wo sind die Befunde? Wo sind die Belege? Magees Ambitionen mögen ja durchaus ehrenwert sein, aber die Art und Weise, wie er sich eklektisch aus den Töpfen von Wissenschaft und Halbwissenschaft bedient, nur um Indizien zu suggerieren, wo es ihm an Beweisen fehlt, stellt ihn in die Nachbarschaft von Erich van Däniken und Charles Berlitz. Er mag vielleicht argumentieren, er habe mit der rechten Gehirnhälfte „das große Ganze“ im Blick, und wolle sich nicht wie „sogenannte Experten“ auf kleinliche Details (linke Hirnhälfte) beschränken. Diesbezüglich nennt er ein Beispiel, daß das Studium von Muskelstruktur und Streifenmuster des Fells keine Aussage darüber liefere, wie gefährlich ein Tiger als vollständige Kreatur sei. Aber Wissenschaft läßt sich nun mal nicht auf bloße zerebrale Prozesse reduzieren. In ihr geht es sowohl um Einzelheiten, als auch um das Gesamtbild: Entweder versucht man, ein Phänomen durch Analyse seiner Bestandteile und Funktionen zu ergründen, oder aber auf der Grundlage bekannter Fakten auf bislang unbekannte zu schließen.

Und nach dem, was uns derzeit bekannt ist, spricht nichts für die Existenz einer dinosaurischen Zivilisation. Das mag sich ändern, sollten wir in mesozoischen Sedimenten etwa die Fundamente einer Ölplattform oder ähnlich eindeutige Beweise entdecken, aber das ist eben bis zum heutigen Tage nicht der Fall. Alles, was wir haben, sind die Iridium- Anomalie und ein paar Fossilien von einigen kleineren Raubsauriern, deren Hirngröße der heutiger Laufvögel vergleichbar wäre. Daß aber Emus, Nandus, Strauße, Kasuare oder Moas eine Kultur begründet haben könnten, das nimmt auch Magee nicht an. Nun scheinen die erwähnten „schlauen“ Dinosaurier eine Weile vor dem Ende der Epoche gelebt zu haben, also hätte es die Chance gegeben, daß sie sich zu einer höheren Spezies entwickelt hätten. Aber wieso finden wir dann die Vorfahren, nicht aber deren „kluge“ Nachkommen? Es ist wohl kaum anzunehmen, daß ein Dinosaurus sapiens stets die Brandbestattung praktiziert (oder seine Verstorbenen bei einem rituellen Leichenschmaus verzehrt) hätte.

So komme ich zu zwei ganz persönlichen Schlußfolgerungen:

  • 1.) Ist Magee seriös? Nein! Denn Beweise liefert er uns nicht. Alles, was er uns zu bieten hat, sind zu seiner Theorie passende Neuinterpretationen von Befunden, bei denen andere Deutungen nicht nur möglich, sondern wahrscheinlicher, und in Forscherkreisen auch anerkannter sind.
  • 2.) Fällt er damit unangenehm aus dem Rahmen, verglichen mit all den renommierten und hochdotierten Koryphäen solcher Prestige- Universitäten wie Yale oder Princeton? Leider muß ich auch das verneinen. Denn gerade sein unkonventionelles Auslegen bekannter Fakten zeigt, daß das im Gelände vorgefundene Material manchmal mehrere Betrachtungen zuläßt. Doch just bei solch Sensationen versprechenden Themen wie die Abstammung der Vögel oder dem Aussterben der Dinosaurier werden alternative Sichtweisen und mißliebige Fakten gerne ausgeblendet, um die eigene Theorie als Tatsache zu propagieren. Wo Ruhm und Spendengelder winken, muß wissenschaftliche Sorgfalt nicht unbedingt Priorität haben.

Vor diesem Hintergrund kann ich tatsächlich nicht ausschließen, daß es einmal eine mesozoische Zivilisation gegeben haben mag. Freilich kann ich genauso wenig ausschließen, daß in abgelegenen Regionen der Erde Lovecrafts „Große Alte“ lauern, oder weiße Mäuse diesen Planeten erschaffen haben, um eine Antwort namens „42“ zu erhalten (was durch Zufall sogar zu der aktuellen Seitenzahl meines ursprünglichen Manuskripts gepaßt hat).

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