Die schwarze Sonne IX Die Herren der Welt
Wer Die schwarze Sonne hören will, der muss ganz klar wissen, worauf er sich einlässt. Lausch ist sowieso bekannt dafür, keine konventionellen Hörspiele zu produzieren. In dieser Serie geht es für den Laien ein wenig drunter und drüber.
Die Geschichte(n) spielt(en) auf verschiedenen Zeitebenen. Das Jahr 1893 ist in dieser Folge von Bewandnis, da die Protagonisten die Weltausstellung in Chicago besuchen. Nathaniel und Adam bereisen die Welt, weil sie der Spur eines okkulten Ordens folgen. Was hat dieser okkulte Orden nun mit der Handlungsebene um 1938 und 1945 zutun? Diese Ebenen handeln vom zweiten Weltkrieg und der Abrechnung mit deren Verursachern. Der Antwort dieser Frage nähert man sich in der Serie nur Stück für Stück. Somit bleibt auch Folge 9 nur ein Fragment des Ganzen. Und die Komplexität dieses Ganzen ist schier riesig.
Ausgehend von einer Inspiration, die auf Bram Stokers berühmter Geschichte vom "Weißen Lindwurm" in Das Schloss der Schlange beruht, verknüpft Günter Merlau diese Erzählung mit dem Schicksal des Helden Adam Salton. Und er webt neben diesen fiktiven Figuren, wozu auch der Holmes-Artige Detektiv Nathaniel de Salis gehört, reale Personen der verschiedenen Jahrhunderte mit in die Handlung ein. In dieser Folge ist das Rudolf Hess. Darauf muss man erstmal kommen: Den Nationalsozialismus mit einer uralten Stoker-Geschichte zu verknüpfen. Wenn auch nur sehr weitläufig. Denn natürlich schlägt die Geschichte von Merlau weite Bögen.
Das man beim Zuhören leicht den Faden verlieren kann, wenn man nicht zuhört, erfährt schnell derjenige am eigenen Leib, der das Hörspiel nur mal ebenso nebenbei hören will. Demjenigen sei gesagt: Vergiss es!
Lausch trommelt bekannte und unbekannte Sprecher zusammen, allesamt jedoch professionell, um dem Werk von Merlau Leben einzuhauchen. Langeweile kommt dabei zu keinem Zeitpunkt auf. Im Gegenteil. Die Geschichte zieht den Hörer von Szenerie zu Szenerie tiefer in den Bann.
Die Musik und die Effekte verbreiten eine düstere Stimmung, bleiben jedoch dezent. Auch das ist eher typisch für Lausch.
Die Covergestaltung kann sich sehen lassen. Das Frontcover ist jetzt zwar nicht so das Highlight, aber die Innengestaltung ist doch recht ansehnlich und gänzlich anders, als bei eben konventionellen Produktionen.
Fazit: Die Anschaffung lohnt. Die Folgen 1-3 und 4-6 gibt es mittlerweile ja auch in einer preiswerten Box. Und ein Ende ist absehbar, nach 12 Folgen ist Schluss. Damit bleibt der "Schwarzen Sonne" das Schicksal einer Endlosserie mit tausend offenen Fragen, erspart.