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Europas Gruselserie: Schauplätze des Schreckens (12) Die Ratte als »elektrische Sicherung«

Europas Gruselserie: Schauplätze des SchreckensSchauplätze des Schreckens (12)
Die Ratte als »elektrische Sicherung«

Die 18teilige Gruselserie von H.G. Francis lieferte so manchen Schauplatz. Sei es Schloss Düsternbrunn oder die Insel der Vampire, die Transsilvanien vorgelagert ist. Alles fiktiv? Mitnichten! Es gab auch Orte, die es wirklich gibt. Doch der Reihe nach. Ich wage eine Reise an die Originalschauplätze der Hörspielserie. Jedenfalls soweit es sie gibt. Und ich wage eine Einordnung in die fiktiven Orte. Folgt mir in die Länder der Schrecken.

Die Serie wurde 1981 veröffentlicht und brachte es bis 1982 auf 18 Folgen, wobei einige wenige Folgen Neuauflagen älterer Einzelprodukte waren. Die 15. Folge lieferte nur die Musik, also den Soundtrack der Serie. 1999 gab es eine Neuauflage auch auf CD, wobei die Folge 15 durch ein weiteres älteres Einzelhörspiel aus den 70er-Jahren ersetzt wurde. 1987/88 gab es zwischenzeitlich eine 10teilige Neuauflage bestimmter Folgen.

Die Nacht der Todes-RatteIn den zwei folgenden Geschichten entführt uns HGF nach Frankreich. „Die Nacht der Todes-Ratte“ spielt in Brest. „Dem Monster auf der blutigen Spur“ wird in der Bretagne angesiedelt sein. Nach „Der Pakt mit dem Teufel“ ist „Die Nacht der Todes-Ratte“ weniger faktenreich und thematisiert auch keine Sagen und Mythen. Und dennoch spielt die Geschichte an einem realen Ort, den HGF mitunter recht genau beschreibt. Die Festung von Brest und vor allem die Hafengegend ist Schauplatz des Ganzen. Erwähnt wird auch die große Hebebrücke, die über die Hafenenge von Brest führt. Das alles sorgt für atmosphärische Dichte und der Hörer weiß wo er sich befindet.

Ein grober Auftrag bestand laut HGF damals darin, Gruselgeschichten zu schrieben, die an Horrorfilm-Klassiker angelehnt sind. Zumindest thematisch. Das hat bisher gut geklappt. Dracula und Frankenstein waren (wenn auch zum Teil in ganz eigenen Kreationen) dabei. Monster wie die Ameisen und die Riesenspinne kamen auch nicht zu kurz. Selbst die mordende Mumie, die der Kinobescher sogar auch noch auch aus Stummfilmzeiten kannte war dabei. Und es gab auch eine winzige Hommage an den Werwolf und an King Kong, indem man diese Geschöpfe zumindest ansatzweise in zwei Geschichten untergebracht hat. Auch eine Geistergeschichte wurde berücksichtigt und damit auch das Ur-Thema des Grusels. Eine Reihe in die der „Pakt mit dem Teufel“ nicht recht zu passen schien. Und was mit der „Todes-Ratte? Nun wenn man es genau betrachtet gab es wohl auch für dieses Hörspiel eine Hollywood-Vorlage. Auch wenn vieles so ganz anders ist, so gibt es dennoch Parallelen. Die Geschichte von dem Professor, der ein Experiment wagt um nicht zu altern – und dabei in die Gestalt des jungen Pascal schlüpft – hat so rein gar nichts mit dem Film „Die Fliege“ (1958) gemein. Aber wenn das Experiment misslingt und versehentlich eine Ratte dazwischengeschaltet wird, dann passiert eben so was Ähnliches wie im erwähnten Film.

Die RatteProfessor Hasquet wird zur Ratte. Zumindest geistig. Er hat die Instinkte einer Ratte.

Reicht das für guten Grusel?

Nun, der große HGF hat sicherlich eine gute Idee gehabt. Er beschrieb ganz genau eine Umgebung um einen Hafen. Genau da tummeln sich ja bekanntlich schonmal Ratten. Er beschreibt eine junge Protagonistin, die als Assistentin des Professors, mit seinen Experimenten hadert und gottgläubig ist. Er stellt die Moral hier ganz deutlich in den Vordergrund. Eine Tiefe wie man sie keiner anderen Folge der Gruselserie findet. „Die Nacht der Todes-Ratte“ ist nicht die spannendste, aber gemessen am Gesamteindruck der Serie, doch die bemerkenswerteste Folge der Reihe. Die Spannung ist subtil. Franciskowsky bedient sich alter Elemente des verborgenen Bösen und die Fratze des Grauens offenbart sich erst im Finale.

Klappentext
Professor Hasquet will nicht sterben! Er, ein leidenschaftlicher Forscher, findet sich nicht damit ab, dass er alt ist. Als sein Ende naht, läßt er sich auf ein gefährliches Experiment ein, und plötzlich in der Nacht verbreitet sich Grauen über die Stadt Brest ... (1)

Die Rollen und ihre Sprecher
Ähnlich wie in Folge 11 sind auch die Sprecherangaben etwas verwirrend. Jedenfalls dann, wenn man ein geübter Hörspielhörer ist. So ist in der Rolle des Pascal als Sprecher Alexander Bischoff angegeben. Ein Pseudonym. Denn es ist eindeutig die Stimme von Andreas von der Meden. Als Dr. Miraux wird Wolfgang Rossi genannt. Ebenfalls ein Pseudonym, denn Siegfried Wald spricht die Rolle. Gar nicht genannt wird Werner Cartano als Polizist. Auch nicht erwähnt wird das Henry Kielmann neben dem Kommissar noch einen Taxifahrer spricht.


Donata Höffer spricht die weibliche Hauptrolle und agiert dabei in einer ihrer ganz wenigen Hörspielrollen. Christian Mey ist hingegen Stammgast bei EUROPA und spielt eine männliche Nebenrolle. Weiterer Hauptakteur ist Richard Lauffen als Professor. Eine typische Rolle für ihn.

BrestBrest – die Hafenstadt im Nordwesten Frankreichs
„Die Ratte funktioniert wie eine elektrische Sicherung im Haushalt. Wenn eine zu hohe Spannung auftritt, fängt die Ratte sie ab, so dass uns nichts passieren kann“, sagt Professor Hasquet zu seinem Probanden Pascal, in dessen Körper er schlüpfen will. Ohne dass dieser das ahnt. Das alles geschieht in seinem Labor in Brest. Die Tristesse der französischen Stadt scheint ihn dabei inspiriert zu haben. Sie ist der Hintergrund für das gruselige Geschehen. Die Stadt liegt im Département Finistère. Der Name Finistére leitet sich von der altrömischen Namensgebung Finis Terrae (Ende der Erde) ab. Also der gute HGF scheint sich so einiges gedacht zu haben bei der Wahl des Schauplatzes.

Der Schrei wird zur Musik
Der von Richard Lauffen und Donata Höffer fast gleichzeitig ausgestoßene Schrei am Ende des Hörspiels diente als Opening des Musikstückes »Horror Theme« auf der LP »Horror Pop Sounds - Die Musik aus des Welt des Horrors ... «, Folge (15) der »H.G.-Francis-Reihe«.

Neuauflage
Es gab auch zwei Neuauflagen. Beide haben eine Eigenart, den bei beiden läuft die ursprüngliche A-Seite (welche genau die Hälfte der Geschichte markiert) etwas länger als im Original. Besonders merkt man das bei der Version von 1988 aber auch in der Version von 1999 ist so. Dort sogar nochmal etwas Verkürzter. Es handelt sich nur um Sekunden. Offenbar kam das zustande, weil man in den Neuauflagen andere Musikstücke verwendete. Jedenfalls zum Großteil. Wie immer hat man aber den Charme der Geschichte nicht verpatzt. Ich finde sogar, dass die Neuauflage in Punkto Musik noch besser wirkt.

Donata Höfer - Von Shoshone - Eigenes WerkOriginaltext: Selbst fotografiert, Copyrighted free use, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45575405Sprecher
Erzähler - Günther Ungeheuer

Professor Gilbert Hasquet - Richard Lauffen
Claudine Dassot - Donata Höfer
Pascal Dassot - Andreas von der Meden (genannt als Alexander Bischoff)
Henri Clement - Christian Mey
der Polizist am Hafen - Werner Cartano
der Kommissar - Henry Kielmann
Dr. Mireaux- -Siegfried Wald (genannt als Wolfgang Rossi)
der Taxifahrer - Henry Kielmann (nicht genannt)

Auflagen
1982 Die Nacht der Todes-Ratte (Die Gruselserie – Folge 12)

1988 Die Ratte (Grusel – Folge 10)
2000 Die Nacht der Todes-Ratte (Die Gruselserie – Folge 12, RDK-Version)

(1) = Klappentext, EUROPA

 

Bereits erschienen:
Europas Gruselserie: Schauplätze des Schreckens (1) Liebesbeichte aus der "eisernen Lunge"
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